Der Kestrel von Osprey ist in den letzten Jahren schon fast zum Klassiker im Bereich der Wanderrucksäcke geworden. Sehr komfortabel zu tragen, flexibel für viele Aktivitäten zu nutzen, mehrere Zugangsmöglichkeiten zum Innenleben. Die amerikanischen Rucksackspezialisten hatten eigentlich schon fast alles richtig gemacht. Aber besser geht immer, daher wurde der Kestrel jetzt komplett überarbeitet. Wir haben uns die beliebte 38-Liter-Variante ganz genau angeschaut und getestet.

Das Tragesystem

Das Tragesystem des Kestrel besteht aus einer Rückenplatte mit umlaufenden Alu-Rahmen

Das Tragesystem des Kestrel besteht aus einer Rückenplatte mit umlaufenden Alu-Rahmen

Die Kestrel-Serie ist mit dem AirScape-Rückensystem von Osprey ausgestattet. Dieses Rückensystem sorgt zusammen mit den Spacermesh-Schulter- und Hüftgurten für eine sehr gute Lastverteilung. Das AirScape-System besteht aus einer flexiblen Rückenplatte mit einem umlaufenden Rahmen aus Leichtmetall. Die Rückenplatte dient dabei der Stabilisierung und ist mit einem Mesh-Netz bespannt, das gleichzeitig zur Belüftung des Rückens dient. Der Leichtmetall-Rahmen überträgt das Gewicht dann weiter auf die Hüftflossen. Wie bei Osprey üblich gibt es den Kestrel 38 in unterschiedlichen Rückenlängen, so dass der Rucksack schon mal der Rückenlänge angepasst gekauft werden kann. Um zu gewährleisten, dass der Rucksack auch wirklich perfekt zur eigenen Rückenlänge passt, lässt sich die Länge zusätzlich noch über ein Klettsystem feinjustieren. Das ist in dieser Klasse schon sehr außergewöhnlich.

Die Rückenlänge lässt sich per Feineinstellung perfekt anpassen.

Die Rückenlänge lässt sich per Feineinstellung perfekt anpassen.

Ganz neu wurden die Schulter- und Hüftgurte konstruiert. Das Update des Kestrel 38 hat jetzt neue Schaumstoffe, die fester als die des Vorgängers sind. Trotzdem sind sie weit davon entfernt steif zu sein. Im Zusammenspiel mit dem Tragesystem sollen die neuen Polster das Gewicht noch besser verteilen und den Tragekomfort erhöhen.

Die Ausstattung

Bei der Ausstattung hat sich nicht sehr viel verändert, außer dass einige Features bei dem neuen Modell nicht mehr ganz so offensichtlich sind. Das liegt am neuen Design des Wanderrucksackes, das um einiges cleaner geworden ist. Auf den ersten Blick vermisst man dadurch das eine oder andere Ausstattungsdetail, bei genauerem Hinsehen entdeckt man es dann aber doch.

Das Design ist sehr viel cleaner geworden. Die Ausstattung ist weiterhin top.

Das Design ist sehr viel cleaner geworden. Die Ausstattung ist weiterhin top.

Der Kestrel 38 ist ein klassischer Toploader mit einer geräumigen Deckeltasche mit Reißverschluss. Auf der Innenseite des Deckels gibt es noch eine Netztasche, die ebenfalls durch einen RV gesichert ist. Ganz unten befindet sich das „Schlafsackfach“. Es hat einen 2-Wege-Reißverschluss und einen Trennboden zum Hauptfach, der natürlich entfernt werden kann. Ein langer Reißverschluss an der Seite sorgt für den Zugriff auf das komplette Innenleben, ohne dass man die Hälfte auspacken muss, um an weiter unten liegende Dinge heranzukommen.

Seitlicher Zugang zum Hauptfach

Seitlicher Zugang zum Hauptfach

Weitere Verstaumöglichkeiten außen sind die große Netztasche auf der Vorderseite und die beiden Netzfächer an den Seiten. Auf dem Hüftgurt gibt es rechts und links je eine RV-Tasche. Wer möchte kann weitere Ausrüstung mit Spannriemen an den Daisy Chains befestigen und eine Isomatte vor dem Schlafsackfach. Die Bänder dieser Mattenbefestigung sind abnehmbar, falls sie nicht gebraucht werden.

Eine Eispickelhalterung ist natürlich auch vorhanden, sie kann bei Nichtgebrauch dezent in einem kleinen Fach versteckt werden. Natürlich hat der Kestrel auch die geniale Trekkingstock-Befestigung, mit deren Hilfe die Stöcke ganz schnell und ohne den Rucksack abzusetzen am Rucksack fixiert werden können. Und last but not least ist eine integrierte Regenhülle in einem separaten Fach an Bord.

Das Stow-on-the-go System zur Befestigung von Trekkingstöcken

Das Stow-on-the-go System zur Befestigung von Trekkingstöcken

Eine weitere Besonderheit des Kestrel 38 ist das Fach für die Trinkblase. Das befindet sich nicht wie sonst üblich im Inneren des Rucksackes, sondern direkt hinter der Rückenplatte von außen zugänglich. Sehr geschickt, da man zum Auffüllen nicht mehr im Rucksack herumkramen muss, sondern die Blase schnell und einfach zur Hand hat. Mit gut 1400g ist der Kestrel 38 zudem ein ganz schönes Leichtgewicht.

Die Praxis

Wie schlägt sich der überarbeitete Kestrel 38 nun in der Praxis?
Die Größe von 38 Litern ist perfekt für Mehrtagestouren ohne Zelt geeignet. In der Deckeltasche ist auf Wanderungen Platz für die kleine Verpflegung, vom Müsliriegel über Obst bis zum Studentenfutter. Auch Stirnlampe und GPS oder Kompass finden locker Platz. In die innenliegende Deckeltasche kamen bei mir die Geldbörse und Papiere. Ganz unten, in das so genannte “Schlafsackfach” kamen Erste-Hilfe-Set, Hüttenschlafsack und leichte Handschuhe. In das vordere Netzfach passt die Regenjacke, in eines der seitlichen Fächer den Fotoapparat, auf die andere Seite noch eine zusätzliche Trinkflasche. Innen hatte es reichlich Platz für Wechselkamotten, Vesperdose und Isolationsjacke. Meine Trinkblase verschwand im dafür vorgesehenen Fach am Rücken.

Das Einstellen des Kestrel 38 ist vollkommen unproblematisch. Aufsetzen, Hüftgurt zumachen und festziehen, Schultergurte anziehen, fertig. Vorher, bei noch leerem Rucksack, habe ich natürlich die Rückenlänge noch genau eingestellt. Auch das ist ganz einfach. Am besten vor einem Spiegel schauen, wie die oberen Lastriemen laufen und die Feineinstellung so justieren, dass die Riemen in einem plus/minus 45-Grad-Winkel vom Rucksack zum Schlüsselbein laufen. Mithilfe des Klettverschlusses geht die Einstellung wirklich schnell und einfach vonstatten. Osprey hat übrigens eine tolle App entwickelt, mit deren Hilfe man die richtige Größe eines Osprey-Rucksackes sehr einfach messen kann: Die PackSizer-App. Mal reinschauen, ist wirklich sehr gelungen.

Die neuen Schaumstoffe sind deutlich fester als beim alten Modell

Die neuen Schaumstoffe sind deutlich fester als beim alten Modell

Die neuen Schaumstoffe an Hüft- und Schultergurten sind definitiv ein Gewinn für den Kestrel. Er war ja vorher schon sehr bequem und hat die Last sehr gut verteilt, mit den neuen Polstern gelingt ihm das aber nochmal um einiges besser. Der Rucksack sitzt extrem kompakt am Rücken, da wackelt kaum etwas und man spürt ihn nach einer Weile kaum noch. Sehr fein sind die beiden Taschen auf dem Hüftgurt, in die Müsliriegel, Tempos oder die Sonnenbrille passen.

Der seitliche Reißverschluss-Zugang zum Hauptfach erweist sich unterwegs als äußerst praktisch. In den Pausen kommt man schnell an die Vesperbox oder kann bei kühlerem Wetter mal eben die Isolationsjacke rausholen, ohne den Rucksack halb ausräumen zu müssen. Das ist wirklich sehr angenehm.

Auch die Stow-on-the-go-Besfestigung für die Stöcke ist Klasse. Anfangs ist es noch etwas gewöhnungsbedürftig, mit der Zeit lernt man die Möglichkeit, die Stöcke mal schnell zu verstauen, ohne den Rucksack absetzen zu müssen, sehr zu schätzen. Ich fand es vor allem für’s Fotografieren super, man hat schnell beide Hände frei.

Fazit

Das Update des Kestrel ist voll und ganz gelungen! Vor allem die Überarbeitung des Tragesystems und der Polster hat sich gelohnt. Der Rucksack trägt sich noch besser, er ist noch bequemer geworden und sitzt gleichzeitig kompakter und definierter am Rücken. Es gelingt ihm noch besser, das Gewicht auf die Hüfte zu bringen. Die Ausstattung ist nach wie vor sehr durchdacht, hier hat sich auch nicht allzuviel verändert. Der seitliche Zugang zum Hauptfach ist super. Das Design hat sich meiner Meinung auch sehr positiv verändert. Der Kestrel 38 wirkt jetzt sehr clean, ohne auf Funktion verzichten zu müssen. Da haben die Designer von Osprey einen sehr guten Weg gefunden, das Bedürfnis nach einer sinnvollen Ausstattung mit einem cleanen Design zu verbinden.

Ich bin sehr begeistert vom neuen Kestrel und kann ihn für alle Aktivitäten empfehlen. Ob Mehrtageswanderung, Hüttentour oder Klettersteig, der Kestrel fühlt sich überall wohl. Für mich ist er auch ein fast perfekter Reiserucksack fürs Wochenende. Er sieht gut aus, hat viele gute Organisationsmöglichkeiten und man kommt gut an den Inhalt.

Text & Fotos: Guido Schwarz
Email: magazin@outdoorshop.de

Osprey Kestrel 38 sicher online bestellen

Osprey Kestrel 38 sicher online bestellen