Mit dem neu überarbeiteten Eidfjord Jacket geht Bergans ganz neue Wege im Hardshell-Bereich. Und es ist mal nicht eine neue Membran, die das Eidfjord Jacket so einzigartig macht, sondern das Außenmaterial. Die norwegischen Outdoor-Spezialisten verwenden nämlich ein Polyester, das zu 30% auf pflanzlicher Basis hergestellt wird. Dabei wird ein Nebenprodukt, das bei der Zuckerproduktion abfällt, für die Produktion dieses pflanzlichen Polyesters verwendet. Das ist ein wirklich großer Fortschritt hin zu einer ressourcenschonenden Herstellung von Funktionsmaterialien. Toray rechnet damit, das in weniger als fünf Jahren ein Polyester entwickelt sein wird, das zu 100% aus diesem pflanzlichen Stoff hergestellt wird und somit keine fossilen Ressourcen mehr verbraucht. Eine tolle Innovation, wir haben die Jacke genau unter die Lupe genommen und natürlich auch die Funktion getestet.

Das Material

Das neue Material nennt sich ecodear und wurde vom japanischen Stoff- und Membranspezialisten Toray entwickelt. Das Unternehmen Toray stellt auch die Dermizax-Membran her, die Bergans schon seit langem ausschließlich verwendet. Ecodear ist also ein Polyester, das zu 30% aus pflanzenbasierten Polyester besteht. Für dieses spezielle Polyester wird Melasse, ein Abfallprodukt der Zuckerproduktion, verwendet. Das daraus hergestellte Polyester hat die gleichen Eigenschaften wie herkömmlich hergestelltes Polyester auf Basis von fossilem Öl. Derzeit ist ein Anteil von 30% möglich, Toray ist der Überzeugung in wenigen Jahren ein Polyester herstellen zu können, das zu 100% für die Verwendung als Außenstoff bei Funktionsjacken geeignet ist.

Zu 30% aus pflanzlichen Stoffen: Der Außenstoff  aus ecodear-Polyester

Zu 30% aus pflanzlichen Stoffen: Der Außenstoff aus ecodear-Polyester

Die Entwicklung von Ecodear ist natürlich ein Riesenschritt in die richtige Richtung. Denn bisher besteht ja das Problem, im Bereich der Funktionsmaterialien insbesondere für Funktionsjacken alternative Stoffe zu finden, die die gleichen oder gar bessere Eigenschaften haben als Polyester oder Nylon. Natürlich gibt es  sehr funktionale Baumwoll / Polyester-Mix-Stoffe wie Etaproof, Loden oder andere natürliche Materialien, die einige Hersteller schon oder wieder verwenden. Doch keines hat die Eigenschaften, die Polyester bietet. Extrem leicht, sehr robust, es nimmt kein Wasser auf, lässt sich sehr gut imprägnieren und mit wasser- und winddichten Membranen zusammenlaminieren bzw. mit einer Beschichtung versehen. Bis jetzt ist es allerdings  mit dem Herstellungsprozess aus fossilem Öl verbunden. Mit der Möglichkeit, ein Polyester auf pflanzlicher Basis herstellen zu können und es nun auch tatsächlich verarbeiten zu können, beginnt fast schon eine Revolution im Stoffmarkt.

Die restlichen Materialien kennen wir. Die Membran ist eine zuverlässiger Dermizax-Membran. Wasserdicht, winddicht, atmungsaktiv. Und, anders als die Konkurrenz von Gore etc., mit einer Funktionsweise, die auf beweglichen Molekülen beruht. Zudem ist die Membran dehnbar, sie verfügt über eine Elastizität von über 200%. Weil die Dermizax-Membran über keine Mikroporen verfügt, ist sie auch komplett unempfindlich gegenüber Waschmitteln oder auch Salzwasser, da sich keine kleinen Löcher zusetzen können und damit die Funktion einschränken. Die Atmungsaktivität von Dermizax liegt durchschnittlich bei 30.000 g/m2/24h und die Wasserdichtigkeit bei mind. 20.000mm Wassersäule. Hervorragende Werte also, die sich hinter den Mitbewerbern nicht verstecken müssen.

Die Ausstattung

Das Eidfjord Jacket hat alles, was eine vernünftig ausgestattete Outdoorjacke haben sollte. Es gibt zwei Fronttaschen für die Hände und zwei Brusttaschen. Alle Taschen sind mit Netz hinterlegt, so dass sie im geöffneten Zustand als zusätzliche Belüftung genutzt werden können. Unterarmbelüftungen sind natürlich vorhanden. Die Kapuze ist helmtauglich und dreifach verstellbar. Der Schild ist schön groß und schützt auch bei starkem Regen und Sturm hervorragend. Der Saum ist per Einhand-Schnürzug verstellbar. Die Ärmelbündchen lassen sich per Klettverschluss regulieren.

Gut belüftet: Unterarmbelüftungen sorgen für genügend Frischluft, wenn es anstrengend wird

Gut belüftet: Unterarmbelüftungen sorgen für genügend Frischluft, wenn es anstrengend wird

Die Praxis

Im Praxistest leistet sich das Eidfjord Jacket erwartungsgemäß kaum Schwächen. Die Jacke ist ja schon sehr bewährt. Es ist nicht die leichteste, das will sie aber auch gar nicht sein. Dafür hat sie einen extra langen Schnitt, sie schützt also auch bei sehr stürmischen Wetter perfekt im Pobereich. Kalter Wind hat keine Chance, genauso wenig wie Regen. Das Material ist sehr robust, Felskontakt oder lange Trekkingtouren mit schwerem Rucksack machen der Eidfjord nichts aus. Dafür ist das Gewicht von gut 680g vollkommen in Ordnung. Auch das Packmass ist gut, eingerollt in die Kapuze ist die Jacke etwas größer als eine 1-Liter-Flasche. Die Kapuze schützt auch bei wirklich fiesem Sauwetter richtig gut. Der Schild ist groß genug und die Kapuze lässt sich sehr gut dem Kopf anpassen. Die Schnürzüge und Reißverschlüsse lassen sich perfekt bedienen, auch bei Regen und mit Handschuhen.

Gut beschützt: Die Kapuze des Eidfjord Jackets bietet Rundum-Schutz

Gut beschützt: Die Kapuze des Eidfjord Jackets bietet perfekten Rundum-Schutz

Der Schnitt ist gelungen. Das Eidfjord Jacket engt nicht ein, sie ist eher etwas großzügiger geschnitten und lässt Platz für ein Schichtensystem auch im Winter, wenn es kalt ist. Auch die Bewegungsfreiheit ist sehr gut. Die Jacke macht fast alle Bewegungen mit, durch den längeren Schnitt rutscht sie nicht hoch, wenn man weit ausholende Armbewegungen macht. Die Reissverschlüsse laufen flüssig und sind meist mit einer Hand gut zu bedienen.

Auch was die Atmungsaktivität angeht hat sich das Eidfjord Jacket mit dem neuen Ecodear-Polyester bewährt. Gerade bei kühlerem Wetter passt das Klima in der Jacke meist perfekt. Das liegt auch an der Dermizax-Membran, die umso mehr Dampf durchlässt, je mehr man in Bewegung ist. Das Niveau liegt nicht ganz so hoch wie bei den ganz teuren High-End-Jacken. Das liegt aber auch am etwas dickeren Material des Eidfjord Jackets. Dafür ist sie, wie schon beschrieben, wirklich robust. Sehr angenehm ist auch der leichte Stretch der Jacke.  Eine weitere sehr angenehme Eigenschaft: Das Eidfjord Jacket ist sehr leise. Jacken mit der Gore-Pro-Membran sind recht raschelig. Wen das stört sollte sich auf jeden Fall das Eidfjord Jacket ansehen.

Po-Schutz: Der extra lange Schnitt schützt vor kaltem Wind und Regen

Po-Schutz: Der extra lange Schnitt schützt vor kaltem Wind und Regen

Natürlich ist das Eidfjord Jacket absolut wasserdicht. Während meiner Testphase hat die Jacke auch in dieser Hinsicht keine Schwächen gezeigt.
Ein kleiner Kritikpunkt sind die Taschen für die Hände. Bei angelegtem Hüftgurt sind die Taschen leider nicht mehr zu gebrauchen. Das ist ein bisschen schade, wenn auch keine Katastrophe, denn mit den beiden Brusttaschen hat man immer noch genügend Platz für die Kleinigkeiten, die man schnell zur Hand haben möchte.

Fazit

Das Eidfjord Jacket ist auch in seiner neuesten Form eine tolle Allroundjacke für alle möglichen Einsatzzwecke. Ob als Regenjacke für die Stadt, wenn man auch bei Regen viel mit dem Rad unterwegs ist oder als robuste und perfekt schützende Trekkingjacke, das Eidfjord Jacket macht alles mit. Ich finde, sie ist der Inbegriff einer richtigen “Sauwetterjacke”. Dafür ist sie nicht zu schwer, im Gegenteil. Für unter 700g Gewicht bekommt man eine extrem robuste und vor allem auch sehr lang geschnittene Jacke, die immer einen super Schutz bietet.

Was natürlich das größte Argument für die neue Eidfjord ist: Das Material. Das neue Ecodear-Polyester ist meiner Meinung nach ein wirklich revolutionärer Stoff. Ohne Öl oder sonstige fossile Rohstoffe werden bei der Eidfjord immerhin schon 30% des Außenmaterials hergestellt. Toray, der Erfinder des Stoffes, geht davon aus, in spätestens vier Jahren den kompletten Stoff zu 100% ohne fossile Rohstoffe herstellen zu können. Damit wäre ein Riesenschritt getan. Ein Stoff mit den gleichen Eigenschaften wie das fossile Pendant aus einem Abfallprodukt der Zuckerproduktion!

Text & Fotos: Guido Schwarz
Email: magazin@outdoorshop.de

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