Der Rucksack-Spezialist Osprey hat mit dem Xenith ein Modell im Programm, das für schwerste Lasten ausgelegt und durch seine Organisationsmöglichkeiten sehr gut für lange Reisen mit viel Gepäck und lange Trekkingtouren oder Wintertouren geeignet sein soll. Osprey hat besonderes Augenmerk auf das Rückensystem gelegt, das eine perfekte Lastübertragung bei Lasten von 25 und mehr Kilo leisten soll. Dabei ist das Eigengewicht des Rucksackes mit rund 2,5 Kilo erfreulich gering. Der Xenith ist das Top-Modell von Osprey im Backpacking-Bereich. Wir haben die 88-Liter-Variante genau unter die Lupe genommen.

Das Tragesystem

Das Herz des Xenith ist das ausgefeilte Tragesystem. Es setzt sich aus der AirScape Rückenplatte, den NeoSpacer Schultergurten und dem BioForm CM Hüftgurt zusammen. Das hört sich sehr nach Science-Fiction, aber jedes Kind braucht einen Namen und die US-amerikanischen Hersteller sind da besonders einfallsreich…

Das Rückensystem ist das Herz des Xenith 88

Das Tragesystem ist das Herz des Xenith 88

Wichtig ist einzig, dass das alles auch gut funktioniert. Der Hüftgurt besteht aus einem sehr festen und stabilen Schaumstoff, der sich zudem noch individuell bei einem Fachhändler anpassen lässt. Der Hüftgurt ist eine der wichtigsten Komponeneten an einem Rucksack. Besonders bei Rucksäcken in der Kategorie des Xenith muss er zum einen stabil und verwindungssteif sein, um auch sehr große Lasten tragen zu können, auf der anderen Seite sollte er aber auch nicht zu fest sein, um sich dem Körper noch anpassen zu können. Mit dem BioForm Hüftgurt verspricht Osprey, dass alle Aspekte berücksichtigt sind. Er soll sich nach zwei bis drei Tagen des Eintragens an die individuelle Hüftform des Trägers anpassen. Außerdem kann man ihn durch Custom Molding anpassen lassen. Dabei wird der Gurt in einem speziellen Ofen erwärmt und lässt sich danach ganz genau der Anatomie des Trägers anpassen. Dies kann allerdings nur vom Fachhändler durchgeführt werden. Die Rückenplatte ist extrem stabil und zudem noch sehr gut belüftet. Dazu wird ein dicht gewebter Netzstoff auf die Rückenplatte aufgesetzt. Die Materialien sind sehr angenehm und versprechen ein komfortables Tragen. Zu guter Letzt noch die Schultergurte. Auch sie sind aus einem sehr festen Schaumstoff, der aber trotzdem sehr anschmiegsam ist und sich dem Träger gut anpassen soll.

Feineinstellung der Rückenlänge

Feineinstellung der Rückenlänge

Eine Besonderheit ist die Feineinstellung des Rückensystemes. Durch ein Klettsystem lässt sich die Rückenplatte in der Höhe verstellen. Auch wenn es den Rucksack in zwei verschiedenen Rückenlängen, M und L, gibt, lässt sich dadurch die Rückenlänge sehr genau einstellen. Sollte es gar nicht passen, lassen sich die Schultergurte und der Hüftgurt sogar austauschen, so dass für wirklich jeden die perfekte Einstellung gefunden werden kann.

Die Ausstattung

Osprey bewirbt die Xenith-Serie als die perfekten Rucksäcke für lange Reisen und Treks, auf denen die Organisation eine große Rolle spielt. Wenn man sich die Ausstattungsdetails anschaut, kann man da nur zustimmen. Es gibt sehr viele Taschen und Zugriffsmöglichkeiten auf das Innere des Rucksackes. Fangen wir beim Deckel an. Der bietet schon mal zwei Taschen. Eine kleinere oben und eine wirklich riesige unten. Beide sind per RV zu verschließen. Der Deckel lässt sich komplett abnehmen und mithilfe von zwei Gurten zur Hüfttasche verwandeln.

Die Deckeltasche lässt sich abnehmen und hat eine eigene Polsterung

Die Deckeltasche lässt sich abnehmen und hat eine eigene Polsterung

Auf der Vorderseite des Xenith gibt es ein großes Netzfach aus Stretchmaterial, das per Schnalle verschlossen wird. Seitlich befinden sich zwei sehr große vertikale Seitentaschen mit RV-Zugang, die fast über die gesamte Länge des Rucksackes gehen. An den Seiten gibt es noch zwei weitere Stretchtaschen aus Meshmaterial, in die ohne Probleme eine 1-Liter-Thermoskanne und noch mehr passt. Sehr schön sind auch die Taschen auf der Hüftflosse. Die sind wirklich groß und bieten Platz für Sonnenbrille, Smartphone, GPS-Gerät, Riegel und vieles mehr. Um auf das Hauptfach zugreifen zu können, gibt es neben der Möglichkeit von oben noch zwei seitliche Zugriffsmöglichkeiten, die per Reißverschluss geschlossen werden. Natürlich gibt es auch ein großes Schlafsackfach, das einen separaten Zugang von unten hat und mit einer inneren, abnehmbaren Trennwand ausgestattet ist. Die Trinkblase hat Osprey von innen nach außen verlagert. Direkt hinter der Rückenplatte befindet sich das Fach für das Trinksystem. Das erleichtert das Auffüllen der Trinkblase erheblich, da man sie nicht mehr aus dem Hauptfach herausholen und dabei den Rucksack halb ausräumen muss.

Riesige setliche Meshtaschen

Riesige setliche Meshtaschen

Natürlich sind die standardmäßigen Befestigungsmöglichkiten für Eisgeräte oder Trekingstöcke genauso verhanden wie seitliche Kompressionsriemen. Auch die Schnellverstaumöglichkeit für Trekkingstöcke, die Osprey exklusiv anbietet, ist mit an Bord. Eine sehr komplette Austattung also, die keine Wünsche offen lässt.

Viele und großzügig diemnsionierte Außentaschen

Viele und großzügig diemnsionierte Außentaschen

Auch die Materialien und die Verarbeitung sind vom Feinsten. An den beanspruchten Stellen besteht der Xenith aus extrem robusten Oxford Nylon mit 420D, ansonsten aus 210D Nylon.

Die Praxis

Der Xenith 88 macht beim ersten Kennenlernen schon mal einen sehr guten Eindruck. Das Leergewicht ist angenehm, die Polsterungen fühlen sich sehr gut an. Die Materialien der Schultergurte und des Hüftgurtes sind fest aber nicht bretthart. Das Beladen des Rucksackes funktioniert problemlos. Die Hauptöffnung lässt sich weit aufmachen, so dass alles gut verstaut werden kann. Mit seinen 88 Litern muss man schon richtig viel Zeug mitnehmen, um den Xenith auch voll zu bekommen. Was bei dieser Größe natürlich super ist, dass man auch Zelt und Isomatte gut im Haupffach verstauen kann, wenn man denn entsprechend klein verpackbare Produkte sein eigen nennt.  Natürlich kann die Isomatte auch von außen an den Riemen des Schlafsackfaches befestigt werden und auch das Zelt kann problemlos zum Beispiel seitlich außen verstaut werden. Der Schlafsack passt ins Schlafsackfach, wobei der er auch gerne etwas voluminöser sein darf. Kunstfaser- oder Winterschlafsäcke sind also kein Problem. In die außenliegenden Vertikaltaschen passt alles rein, was man unterwegs schnell benötigt. Vom Erste-Hilfe-Set über Regenklamotten, Fertigmahlzeiten bis zu einer leichten Isolationsjacke lässt sich vieles in den äußeren Taschen unterbringen. Die Deckeltasche bietet dann nochmals sehr viel Platz, hier passt sogar der Kocher rein. Die obere, kleinere Deckeltasche nimmt dann noch Geldbörse, Messer, Stirnlampe etc. auf. Eine 1-Liter-Thermosflasche passt ohne Probleme in die seitlichen Netztaschen. Die Taschen auf den Hüftflossen werden dann noch mit GPS-Gerät, Kamera und Riegeln bestückt.

Die ausßenliegenden, vertikalen Taschen nehmen alles auf, was schnell greifbar sein soll

Die ausßenliegenden, vertikalen Taschen nehmen alles auf, was schnell greifbar sein soll

So voll bepackt bringt der Xenith 88 dann gute 26 Kilo auf den Rücken… Also dann, aufsetzen und sehen, wie es sich anfühlt. Nachdem alle Schnallen geschlossen und alle Riemen angezogen sind, fühlt sich das schon mal gar nicht schlecht an. Der Hüftgurt liegt sauber auf der Hüfte, die Polster sind fest, aber nicht unangenehm hart. Ich bin gespannt, ob sich die Polster in den nächsten Tagen noch meiner Anatomie anpassen werden. Die Schultern sind fast frei von Gewicht, lediglich ein leichtes Ziehen ist zu spüren. Das aber ist normal. Der erste Eindruck ist also positiv.

Unterwegs bestätigt sich der gute Eindruck. Der Rucksack liegt sehr kompakt am Rücken, das Gewicht wird hervorragend auf den Hüftgurt verteilt. Die Schultern sind angenehm frei. Druckstellen durch die festen Schaumstoffe entstehen keine, schon bei der ersten Tour passt sich der Rucksack sehr gut an die Anatomie des Trägers an. Super gelöst ist die einfache Feinanpassung der Rückenlänge. Hierfür sollte man sich Zeit nehmen, denn gerade bei großen Lasten lässt sich die Verteilung des Gewichtes spürbar “feintunen”.

Auch die Organisation des Gepäcks ist durch die vielen Taschen sehr gut möglich. Die beiden großen Vertikaltaschen auf der Vorderseite sind perfekt geeignet, das Gepäck fast thematisch zu verteilen. So habe ich zum Beispiel das ganze Kochequipment in einer der Taschen untergebracht. Damit reicht ein Griff, um alles ohne Kramen und Suchen sofort bei der Hand zu haben. Die seitlichen Zugänge auf das Hauptfach sind ebenfalls sehr angenehm, um Dinge relativ schnell zu finden, die nicht so oft benötigt werden. Solche Front Access-Möglichkeiten bieten mittlerweile ja fast alle Hersteller an. Wenn man einmal einen Rucksack mit dieser Möglichkeit hatte, möchte man nicht mehr darauf verzichten. Die abnehmbare Deckeltasche ist auch sehr nützlich. Ich nutze sie auf Reisen und kann dort alles unterbringen, was ich im Zug oder im Fernbus brauche. Von der Vesper bis zum Tablet passt da alles rein. Das Entfernen und Anbringen am Rucksack geht sehr einfach und ist schnell erledigt.

Ein dicker YKK-RV verspricht lange Haltbarkeit

Ein dicker YKK-RV verspricht lange Haltbarkeit

Mir hat auch das cleane Design des Xenith sehr gut gefallen. Obwohl der Rucksack sehr viel Ausstattung bietet, wirkt er überhaupt nicht überladen. Die Anzahl der Schnallen und Riemen ist überschaubar und die Taschen und Zugänge sind so in das Design integriert, dass auch sie kaum auffallen. Diese Reduktion aufs Wesentliche ist bei allen Rucksäcken von Osprey zu sehen, da haben die Konstrukteure sich wirklich Gedanken gemacht. Auch die Bedienung ist in allen Belangen tadellos. Ob Reißverschlüsse oder Schnürzüge, alles läuft leicht und ohne Hakeln.

Fazit

Der Xenith 88 von Osprey ist ein extrem gut gelungener Schwerlast-Rucksack. Durch seine üppige und sehr durchdachte Ausstattung ist er aber nicht nur für Expeditionen oder lange Trekkingtouren geeignet. Auf Wintertouren, bei denen auch für zwei Tage sehr viel und vor allem voluminöses Gepäck anfällt, wird man das Platzangebot des Xenith sehr schätzen. Vor allem aber auch als Reiserucksack ist er bestens geeignet. Die Organisation des Gepäcks ist perfekt und durch die unterschiedlichen Zugriffsmöglichkeiten auf das Hauptfach kommt man immer an alles gut ran. Die große, abnehmbare und dann als Hüfttasche zu tragende Deckeltasche ersetzt den zusätzlichen Day-Pack auf Städtetripps.

Vor allem überzeugt natürlich das wirklich gute Tragesystem. Man merkt, dass Osprey hier sehr viel Entwicklungsarbeit investiert hat, um ein System zu entwickeln, das zum einen sehr hohe Lasten perfekt übertragen kann, zum anderen aber auch keine blauen Flecken verursacht, was nicht selbstverständlich in dieser Kategorie ist!

Zum Schluß noch ein kleiner Tipp: Wer sich unsicher wegen der richtigen Größe bzw. Rückenlänge ist, sollte den Pack Sizer von Osprey ausprobieren! Das ist eine App, mit deren Hilfe man schnell die richtige Rückenlänge ermitteln kann. Super gelungen und sehr einfach zu bedienen.

Text & Fotos: Guido Schwarz
Email: magazin@outdoorshop.de

 

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