Mountain Equipment, die britischen Spezialisten für Daunenbekleidung und Schlafsäcke, haben mit dem Dewline Jacket eine neue Daunenjacke im Sortiment, die auf der einen Seite sehr leicht und klein zu verpacken ist, auf der anderen Seite aber genug Füllung hat, um auch bei tieferen Minusgraden noch angenehm zu wärmen. Sie füllt die Lücke zwischen den Ultraleicht-Daunenjacken und den dickeren Daunenjacken. Dazu stammt die Daune aus artgerechter Tierhaltung, was der firmeneigene Down Codex garantiert. Wasserabweisend ausgestattet ist die Daune außerdem. Gründe genug, sich die Jacke näher anzuschauen…

Die Daune

Mountain Equipment verwendet seit 2014 in alles Produktbereichen ausschließlich Daune, die nach dem firmeneigenen Down Codex zertifiziert ist. Der Down Codex wurde von 2009 an über mehrere Jahre entwickelt, die Briten waren damit Vorreiter in der lückenlosen Kontrolle der Daune von der Herkunftsfarm der Tiere über den kompletten Produktionsweg bis zum fertigen Produkt. Es handelt sich also nicht einfach um ein weiteres Label, mit dem man den Eindruck erwecken möchte, dass die Daune ökologisch und tierfreundlich gewonnen wird, sondern es ist eine echte Kontrolle, die regelmäßig wiederholt wird, um sicher zu stellen, dass alle beteiligten Betriebe die hohen Anforderungen auch langfristig erfüllen. Wer die Anforderungen nicht mehr erfüllt fliegt raus. Wir haben bereits 2013 über den Down Codex von Mountain Equipment berichtet, hier geht es direkt zu unserem damaligen und seitdem immer wieder aktualisierten Bericht.

Über die Herkunft der Daune muss man sich beim Dewline Jacket also wirklich keine Gedanken machen. Qualitativ verwendet Mountain Equipment eine Entendaune mit einer Fillpower von minestens 700cuin und einem Mischungsverhältnis von 90/10. In Größe L befinden sich 170g Daune in der Jacke. Das Besondere ist eine wasserabweisende Behandlung der Daune mit einer PFC-Ausrüstung, die Bluesign zertifiziert ist. Es handelt sich dabei um eine C6 Fluorwirkstoffe der neuesten Generation, die nicht bioakkumulativ wirken. Die Herstellung der Ausrüstung kommt bei ME von bluesign-zertifizierten Anbietern, so dass die Umweltbelastung während des Herstellungsprozesses als sehr gering eingestuft werden kann. Die wasserabweisende Behandlung minimiert einen der großen Daunennachteile: Die Feuchtigkeitsempfindlichkeit. Die so behandelte Daune nimmt kaum Feuchtigkeit auf und die Reibung zwischen den Daunenfilamenten wird reduziert. Dadurch bleibt der ursprüngliche Loft auch nach langer Benutzung erhalten. In der Praxis heißt das, dass die Jacke vor allem weniger empfindlich auf Körperfeuchtigkeit reagiert, schneller trocknet und die Waschzyklen weniger werden. Wir waren anfänglich skeptisch, was die Vorteile von wasserabweisend behandelter Daune angeht, mittlerweile gibt es allerdings genügend Erfahrungsberichte, dass die wasserabweisende Ausrüstung auch in der Praxis sehr gut funktioniert. Natürlich erreicht die so behandelte Daune nicht die Performance einer Kunstfaser, die auch in nassem Zustand noch einen Großteil ihrer Funktion behält, aber in vielen Situationen, in denen man früher auf gar keinen Fall eine Daunejacke verwendet hätte, funktioniert auch die wasserbweisende Daune.
Die wasserabweisende Ausrüstung hält laut Mountain Equipment dauerhaft, muss also nie erneuert werden und benötigt auch keine Wärmebehandlung, um die Funktion zu aktivieren. Sie hält Feuchtigkeit 10mal länger stand als unbehandelte Daune und 6mal länger als Daune, die PFC-frei ausgerüstet wird.

Die Konstruktion und der Schnitt

Das Dewline Jacket ist mit relativ großen Daunenkammern ausgestattet, die durchgesteppt sind. Das ist die übliche Konstruktionsweise bei Leichtdaunenjacken. Eine aufwendigere Kammerkonstruktion würde das Gewicht und Packmass in die Höhe treiben, was bei diesen Jacken nicht erwünscht ist. Mit der Füllmenge von 170g liegt Mountain Equipment beim Dewline Jacket rund ein Drittel über dem Durchschnitt in dieser Klasse. Damit ist die Jacke auch für Einsätze bei kälterem Wetter geeignet. Die größeren Kammern reduzieren natürlich auch die Anzahl der Steppungen, was wiederum die Wärmeleistung erhöht. Denn die Durchsteppung ist natürlich die Schwachstelle bei diesen Jacken, da sich hier Kältebrücken bilden können. Um Kältebrücken bei dieser Konstruktion möglichst zu vermeiden hat ME auf der Vorderseite von innen ein zusätzliches Futter eingenäht, so dass die Steppnähte von innen abgedeckt sind.

Innen hat das Dewline Jacket ein zusätzliches Futter, um Kältebrücken zu vermeiden

Innen hat das Dewline Jacket ein zusätzliches Futter, um Kältebrücken zu vermeiden

Die Kammern an den Ärmeln sind leicht überlappend, was ebenfalls einen Effekt auf die Vermeidung von Kältebrücken hat. Der Kragen des Dewline Jackets verjüngt sich nach oben leicht und liegt dadurch eng am Hals an. Ein einfacher, aber sehr wirksamer Trick, um zu verhindern, dass kalte Luft durch den Kragen nach innen gelangen kann. Die Jacke ist an sich schon relativ lang im Schnitt, hinten ist sie aber noch ein Stück länger, so dass der Po zusätzlich geschützt wird. Insgesamt ist das Dewline Jacket etwas enger geschnitten, es passt aber noch gut eine zusätzliche wärmende Schicht darunter. Auch die Ärmel sind schön lang, typisch Mountain Equipment hat man auch nicht an Material gespart, so dass die Bewegungsfreiheit hervorragend ist. Die Jacke macht alle Bewegungen mit und bleibt da, wo sie hingehört. Als Außenmaterial kommt Helium30 zum Einsatz, ein extrem leichtes, trotzdem robustes und daunendichtes Polyamid, das auch bei den Schlafsäcken von ME zum Einsatz kommt. Es ist zusätzlich imprägniert (DWR), so dass es einen gewissen Schutz vor eindringender Feuchtigkeit bietet.

Hinten ist das Dewline Jacket deutlich verlängert

Hinten ist das Dewline Jacket deutlich verlängert

Die Ausstattung

Ausgestattet ist die Jacke ganz klassisch. Das Dewline Jacket hat zwei Einschubtaschen, die mit RV geschlossen werden können, dazu eine großzügige Innentasche, die gleichzeitig auch als Stautasche für die Jacke fungiert. Allerdings ist die Jacke in dieser Form nicht ganz klein zu komprimieren. Wer wirklich Wert auf möglichst wenig Platz legt sollte einen kleinen 5l-Stausack besorgen. Die Ärmelbündchen haben einen Lycra-Abschluß, der sehr gut abschließt. Im Saum kommt der zweigeteilte Schnürzug von Mountain Equipment zum Einsatz, man kann die Jacke also vorne oder hinten unterschiedlich eng ziehen, wenn gewünscht. Als Front-RV wird ein 2-Wege YKK Vislon-RV verwendet.

Der Kragen verjüngt sich nach oben, so dass keine kalte Luft von oben eindringen kann

Der Kragen verjüngt sich nach oben, so dass keine kalte Luft von oben eindringen kann

Die Praxis

Gemessen an der subjektiv gut gefüllten Jacke ist sie ein echtes Leichtgewicht. Im Vergleich zu ähnlichen Jacken aus diesem Segment sieht und spürt man das Mehr an Füllung sofort. Trotzdem wiegt die Dewline nur rund 380g. Damit ist sie vom Gewicht her schon mal als Immer-dabei-Jacke bestens geeignet. Angezogen fühlt man sich sofort kuschelig aufgenommen. Der Kragen schließt sehr gut ab, was an der oben erwähnten Verjüngung liegt. Sehr angenehm ist die verlängerte Rückenpartie verbunden mit der Möglichkeit, die Jacke nur hinten am Saum enger zu machen. Dadurch verbessert sich bei Bewegung zum einen der Sitz und zum anderen bleibt der Nierenbereich wirklich schön warm. Die  Reissverschlüsse laufen prima und sind auch mit Handschuhen bestens zu bedienen.

Die Schnürzüge im Saum sind zweigeteilt, so dass man vorne und hinten einzeln verstellen kann

Die Schnürzüge im Saum sind zweigeteilt, so dass man vorne und hinten einzeln verstellen kann

Top ist die Winddichte der Jacke. In der Regel ist das eine Schwachstelle der leichten Daunenjacken. Die durchgesteppte Konstruktion kann meistens ab einer gewissen Windstärke nicht verhindern, dass sich an den Nähten Kältebrücken bilden. Durch das zusätzliche Innenfutter an der Vorderseite und die leicht überlappenden Kammern an den Ärmeln kommt so gut wie kein Wind durch die Nähte. Zwar konnte ich die Jacke nicht unter den entsprechenden Bedingungen am Berg testen, aber abendliche Fahrten mit dem Motorroller haben die Situation hervorragend simuliert. Es kommt so gut wie keine kalte Luft ins Innere der Jacke.

Leider oder auch glücklicherweise war es bislang noch nicht so richtig kalt, aber als ich die Jacke im Oktober bei einer Wochenendtour im Schwarzwald dabei hatte, hat es in den Höhenlagen über 1000m schon geschneit und es war doch schon recht kalt. Als auf 1300m Höhe draußen schlief, ging das Thermometer auf gute minus 4 Grad herunter. Nur mit einer dünnen und einer einer etwas dickeren Schicht Merinounterwäsche und dem Dewline Jacket habe ich kein bißchen gefroren. Und ich hatte das Gefühl, dass die Jacke durchaus noch Reserven für ein paar Grad weniger hat. Meiner Einschätzung nach sollte das Dewline Jacket für Temperaturen bis in den oberen einstelligen Minusbereich bestens geeignet sein. Für eine Jacke mit gerade mal 170 g Füllung und einem Gesamtgewicht von gut 380g ein Spitzenwert!

Fazit

Der Schnitt des Dewline Jackets ist hervorragend, Gewicht und Packmass sind super, man kann sie problemlos immer dabei haben. Vor allem ist sie sehr vielseitig einsetzbar. Ob im Frühjahr und Herbst bei Touren in den Alpen oder im Winter auf Skitour oder beim Skifahren, wenn es eisig kalt ist, für Schneeschuhtouren oder einfach als warme Jacke in der Stadt. Die wasserabweisende Daune erweitert das Einsatzspektrum des Dewline Jackets. Feuchte Witterung ist dadurch kein automatisches No-Go mehr für eine Daunenjacke, natürlich ist es immer noch keine Jacke, die man im Regen anziehgen wird. Mit dem Down Codex  hat Mounatin Equipment zudem eine Zertifizierung für Daune eingerichtet, die sehr aufwendig ist und vor allem die komplette Lieferkette abdeckt. Die regelmäßig wiederholten Audits stellen sicher, dass der Down Codex auch in der Praxis befolgt wird, denn Mountain Equipment zieht Konsequenzen, wenn sich ein Betrieb nicht daran hält und trennt sich von ihm.

Text & Fotos: Guido Schwarz

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