Wer gerne auch im Winter draußen unterwegs ist und übernachtet braucht einen vernünftigen Winterschlafsack, der auch bei bei eisigen Temperaturen schön warm hält. Der Exped Lite 900 in unserem Praxistest kommt aus der Lite-Serie der Schweizer Outdoorspezialisten, die sich durch sehr leichte Materialien und hochwertige Daunen bei einem recht gräumigen Schnitt auszeichnet. Der Lite 900 ist das wärmste Modell der Serie mit einer Komforttemperatur für Männer bis ca. -15 Grad, für Frauen ist er bis ca. -8 Grad empfohlen.

Die Materialien

Als Außenstoff verwendet Exped ein Ripstop Nylon namens Texped PA35 mit einem Gewicht von 35g/m2 und einer Fadenstärke von 20Denier. Als Innenstoff kommt Texped PR46 zum Einsatz, ein Polyester mit einem Gewicht von 46g/m2 und einer Fadenstärke von 30Denier. Das Außenmaterial ist kalandriert. Dabei wird der Stoff durch beheizte Walzen geführt, wodurch die Stofffasern verschmelzen und der Stoff daunendicht wird. Zusätzlich werden die wind- und wasserabweisenden Eigenschaften verbessert. Um die Daune auch vor Kondensfeuchtigkeit zu schützen ist der Außenstoff zusätzlich mit einer DWR-Imprägnierung ausgestattet.

 

Der Lite 900 hat einen weiteren Schnitt

Der Lite 900 hat einen weiteren Schnitt

Die Daune

Exped verwendet in der Lite-Serie ab 2016 eine 90/10 Gänsedaune mit einer Bauschkraft von mind. 800cuin. Die aktuelle Serie hat noch 840cuin und ist etwas leichter als die zukünftige mit 800cuin! Die Daune stammt aus Polen, der Ukraine oder Rußland. Exped kauft die Daune über einen deutschen Daunenlieferanten, ein 120jähriges Traditionsunternehmen ein. Auch ohne spezielle Siegel und Zertifikate garantiert Exped, dass die Gänse artgerecht gehalten werden mit genügend Auslauf, Zugang zu Wasser, Futter und Unterstand. Natürlich kein Lebendrupf und genauso wenig Stopfleber-Mast. Wir kennen die Jungs von Exped schon sehr lange und vetrauen ihnen in dieser Hinsicht.

Die Konstruktion

Die Lite-Schlafsäcke haben eine 3D-Multikammerkonstruktion, bei der H-Kammern in unterschiedlicher Anordnung zum Einsatz kommen. Beim Lite 900 sind es insgesamt 46! einzelne Kammern in horizontaler und vertikaler Ausführung, aus denen die Hülle konstruiert wird. Das Fußteil ist angewinkelt, die Kammern sind trapezförmig angeordnet und extra gefüllt, so dass die Füße in ihrer natürlichen Position liegen können, ohne die Füllung an irgendeiner Stelle zusammenzudrücken. Die Seitenwände bestehen aus separaten Kammern, so dass die Füllung nicht verrutschen kann. Innen gibt es einen wirklich dicken dreidimensionalen Wärmekragen, der garantiert keine warme Luft entweichen lässt. Der Wärmekragen lässt sich durch ein Doppelklett-System absolut dicht abschließen. Der Reißverschluss geht fast über die komplette Länge des Schlafsackes und ist durch eine dicke Wärmeleiste geschützt. Auf dieser ist ein Klemmschutz genäht. Das untere Ende des Reißverschlusses ist nochmals durch einen speziellen “Mantel” nach innen geschützt, so dass auch dort keine warme Luft entweichen kann. Am oberen Ende befindet sich eine Reißverschlussgarage, die daunengefüllt ist und auch hier Kältebrücken vermeidet. Die anatomisch geformte Kapuze ist mit einem dicken daunengefüllten Band umgeben und lässt sich komplett zuziehen, bis nur noch ein kleines Luftloch übrig bleibt.

Die Kapuze des Lite 900 ist dick gefüllt und bietet genügend Platz

Die Kapuze des Lite 900 ist dick gefüllt und bietet genügend Platz

Der Kordelzug ist mit einem fluorizierenden Abschluss versehen, so dass man ihn im dunkeln gut findet. Im Inneren des Schlafsackes findet sich noch eine Reißverschlusstasche auf Brusthöhe, die Kleinigkeiten wie Schlüssel oder Batterien aufnimmt. An allen Streßpunkten sind die Nähte verstärkt. Die Nähte insgesamt sind in einer sogenannten Doppel-Verstecknahttechnik ausgeführt, das heißt, dass drei Stofflagen vernäht werden und die Nähte versenkt sind. Somit sind die Nähte von außen geschützt und sie werden außerdem wasserundurchlässiger. Alles in allem also wirklich aufwendig konstruiert mit viel Blick für Kleinigkeiten. Aber das kennen wir von Exped.

Ein prall gefüllter, dreidimensional geschnittener Wärmekragen und eine kleine Tasche im Inneren

Eindicker, dreidimensional geschnittener Wärmekragen und eine kleine Tasche im Inneren

Die Praxis

Geliefert wird der Lite 900 in einem Moskitonetz-Aufbewahrungsbeutel, dazu gibt es einen wasserdichten Packsack für die Tour. Schon wenn man ihn aus dem Packbeutel herausholt freut man sich über die üppige Füllmenge. Die Stoffe sind sehr weich und geschmeidig, man freut sich schon richtig, sich in den Lite 900 einzukuscheln. Ich habe den Lite 900 im Oktober und November bei diversen Wochenendtouren in den Höhenlagen des Schwarzwaldes dabei gehabt. Die Temperaturgrenze konnte ich zu dieser Jahreszeit natürlich noch nicht ausreizen, -5 Grad war das Maximum. Beim Biwakieren ohne Zelt und teils recht kräftigem Wind war das Temperaturempfinden schon recht angenehm, von Frieren konnte gar keine Rede sein, es war richtig warm. Kurze Hose und ein dünnes Woll-T-Shirt haben vollkommen ausgereicht. Der Wärmekragen war auch offen, ich bin sicher, dass die angegebene Temperatur von -15 Grad eine realistische Angabe ist. Zumal die Angaben von Exped unserer Erfahrung nach immer sehr realistisch sind. Der Lite 900 ist ziemlich geräumig geschnitten. Ich empfand das als sehr angenehm, eng geschnittene Schlafsäcke sind für mich nicht gut geeignet, da ich mich im Schlaf viel bewege. Im Lite 900 hat man eine große Bewegungsfreiheit, er engt nirgends ein. Man kann die Knie anwinkeln und sich im Schlafsack drehen. Trotzdem ist er auch nicht zu weit geschnitten, als dass es lange dauern würde, bis sich die Luft im Inneren erwärmt hat. Die Fußbox ist super konstruiert, die Füße können in ihrem natürlichen Winkel liegen, ohne dass die Füllung zusammengedrückt wird. Die gute Füllung im Fußbereich sorgt für eine recht schnelle Erwärmung.

Perfekt konstruierte Fußbox

Perfekt konstruierte Fußbox

Ein Highlight ist die Kapuze. Sie ist anatomisch geformt und passt sehr gut über den Kopf, wenn man die Schnürzüge zuzieht. Sie ist nicht zu eng und im zugezogenen Zustand stören die Schnürzüge kaum. Der Schnürzug der Kapuze besteht aus zwei unterschiedlichen Schnürzügen, einem runden und einem flachen. Damit kann man auch bei Dunkelheit erfühlen, welche Seite man ziehen muss, um vorne oder hinten weiter zuzuziehen. Schließt man den Wärmekragen komplett mit den Schnürzügen und den Klettverschlüssen ist der Schlafsack absolut perfekt “abgedichtet”. Warme Luft kommt da keine mehr raus. Die Bedienung des Wärmekragens ist über den Schnürzug sehr einfach, da dieser sich anders anfühlt als der Kapuzenschnürzug kommt es zu keinen Verwechslungen. Die Klettverschlüsse, um den Wärmekragen auch auf der Reißverschlußseite zu schließen, sind etwas umständlicher zu bedienen. Das sollte man auf jeden Fall machen, nachdem man in den Schlafsack eingestiegen ist und bevor man den Reißverschluss bis oben hin zumacht. Sonst ist es ein ganz schönes Gefummel. Aber nach den ersten ein-zweimal hat man raus, wie es am besten klappt. Der Reißverschluss läuft sehr einfach und ist mit einem  effektiven Klemmschutz versehen. Mir ist es so gut wie nie passiert, dass sich der Schlitten in der dicken RV-Abdeckung verklemmt hat. Der RV ist selbstblockierend, kann sich also nicht einfach wieder aufziehen. Praktisch ist die RV-Tasche hinter dem Wärmekragen auf Brusthöhe. Ich habe dort die Batterien für das GPS-Gerät aufbewahrt, so dass sie es richtig schön warm hatten. Es passt aber noch einiges mehr hinein.

Daunengefüllte RV-Garage, zuverlässiger Klettverschluß und fluoreszierende RV-ZIpper

Daunengefüllte RV-Garage, zuverlässiger Klettverschluß und fluoreszierende RV-ZIpper

Bei Daunenschlafsäcken immer spannend ist natürlich die Empfindlichkeit gegenüber Nässe in Form von Kondensfeuchtigkeit. Also vor allem die Behandlung des Außenstoffes, wenn er nicht durch eine Beschichtung oder Membran wasserfest ausgerüstet ist. Das Texped Außenmaterial aus Nylon ist DWR-behandelt, besitzt also eine wasserabweisende Imprägnierung. Sehr gut testen ließ sich das am Schluchsee, wo es aufgrund der Nähe zum See immer eine recht hohe Luftfeuchtigkeit hat. Und ich muss sagen, die Imprägnierung funktioniert wirklich gut. Am Morgen war die Oberseite des Schlafsackes komplett mit kleinen Tröpfchen übersät, die Feuchtigkeit ist aber nirgends in den Stoff eingezogen. Die Daunenfüllung blieb also schön trocken. Das Kondens lässt sich dann schon mal ganz gut abschütteln und wenn man den Schlafsack noch eine Weile auslüftet ist die meiste Feuchtigkeit verschwunden. Auch bei einer anderen Übernachtung im Zelt gab es mal sehr viel Kondensbildung und es war sehr stürmisch und kalt bei gut 0 Grad. Hier war es nicht so einfach, die Feuchtigkeit bis zum Einpacken des Schlafsackes ganz zu trocknen. Abends beim nächsten Auspacken war der Loft aber so gut wie vollständig da, der Außenstoff lässt also wirklich sehr wenig durch.

Geliefert wird der Lite 900, wie übrigens alle Schlafsäcke von Exped, mit einem wasserdichten Packsack. Dieser Packsack ist sehr großzügig dimensioniert und hat keine weiteren Kompressionsmöglichkeiten. Man sollte ihn einmal rollen, dann auf den Boden stellen und mit dem Knie die Luft herauspressen. Was dann herauskommt ist allerdings ein immer noch relativ großes und unförmiges Päckchen. In meinem Rucksack hat das problemlos ins Schlafsackfach gepasst, zumal man es auch noch entsprechend knautschen kann. Wer aber wirklich wenig Platz hat sollte eventuell über die Anschaffung eines etwas kleineren und komprimierbaren Packsacks nachdenken.

Fazit

Der Lite 900 von Exped ist ein hervorragender Winterschlafsack mit viel Reserven für eisige Nächte. Die Temperaturangabe von -15 Grad sollte realistisch sein. Ich werde im Winter ein Update dazu in diesem Bericht liefern. Mit einem Gewicht von gut 1250g in Größe M ist das Wärme-Gewichtsverhältnis sehr gut, auch wenn es da sicher noch bessere Schlafsäcke gibt. Die sind dann aber richtig eng geschnitten, was für mich gar nicht geht. Ich brauche ein bißchen Platz und den bietet der Lite 900. Man kann sich prima im Schlafsack bewegen, ohne Einbußen beim Wärmevermögen einzugehen. Und genau dafür ist die Lite-Serie von Exped auch konzipiert. Zudem hat man durch das großzügigere Platzangebot auch noch die Möglichkeit, zusätzliche Kleidung zu tragen oder Teile mit in den Schlafsack zu nehmen, um sie trocken zu bekommen. Die Qualität der Daune ist hervorragend, der Schlafsack bauscht sich schön auf und verliert auch durch etwas Feuchtigkeit sehr wenig Loft. Die Bedienung der Schnürzüge und des Reißverschlusses funktioniert einfach und ohne Probleme. Es gibt viele kleine Details, an denen man merkt, dass sich die Konstrukteure bei Exped viel Gedanken auch um die Praxistauglichkeit gemacht haben. Schließlich ist die Verarbeitungsqualität perfekt, nirgends sieht man eine unsaubere Naht oder ähnliches. Ich kann den Lite 900 daher uneingeschränkt empfehlen. Es ist ein echter Winterschlafsack, bei gemäßigten Temperaturen ist er definitiv zu warm. Man kann ihn dann zwar auch nur als Decke verwenden oder den RV offen lassen, wenn es windig ist kann das aber auch unangenehm sein. Für Winterbiwaks oder Übernachtungen in höheren Lagen auch im Frühling oder Herbst ist er perfekt.

Eine tolle Ergänzung ist übrigens noch das Down Pillow von Exped. Es hat ein Luftkissen innen und darum eine Daunenfüllung. Der Außenstoff aber ist das Highlight, ein flexibles Trikonylon, das sich ganz wunderbar dem Kopf anpasst. Definitiv eines der gemütlichsten Kiissen, das ich bislang hatte!

Text & Fotos: Guido Schwarz
Email: magazin@outdoorshop.de

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