Wer gerne auch bei schlechtem Wetter draußen unterwegs ist hat sicherlich schon die Erahrung gemacht, dass es ganz schön schwierig sein kann, seine Mahlzeit schnell und effizient mit einem Gaskocher zuzubereiten. Bei starkem Wind oder Kälte kommen herkömmliche Gaskocher an ihre Grenzen. Wind verhindert eine effektive Verbrennung, bei Starkwind lässt sich der Gasbrenner eventuell gar nicht erst starten. Kälte vermindert die Leistungsfähigkeit von Flüssiggas dramatisch, da der Druck in der Kartusche stark nachlässt. Abhilfe schaffen geschlossene Kochersysteme, die durch ihre Konstruktion zum einen vor Wind schützen und zum anderen besonders effektive Brenner und Druckregelsysteme besitzen, die auch bei Kälte noch gut funktionieren. Der US-amerikanische Kocherspezialist MSR hat mit dem WindBurner ein System auf den Markt gebracht, das wir uns näher angeschaut haben.

Die Konstruktion

Der MSR WindBurner basiert auf dem sehr erfolgreichen Reactor-System, das aus einem geschlossenen Brennsystem besteht. Das Besondere ist der Radialbrenner, der keine herkömmliche offene Flamme liefert, sondern über eine großflächige Verbrennung in Verbindung mit einem Wärmetauscher, der Teil des Topfes ist, sowohl konvektive als auch Strahlungswärme erzeugt. Eine offene Flamme entsteht dabei nicht. Das Sytem ist in sich geschlossen, so dass zu 100% Primärluft von unten für die Verbrennung genutzt wird. Duch diese Konstruktion ist der Brenner zudem komplett vor Wind geschützt. Sehr detailliert wird die Funktionsweise auf der MSR-Website erklärt.

Der Brenner des MSR WindBurner ist komplett geschlossen

Der Brenner des MSR WindBurner ist komplett geschlossen, er verbrennt zu 100% Primärluft

Der MSR WindBurner ist ein komplettes Kochersystem, bestehend aus Brenner und einem 1l-Topf. Der Wärmetauscher ist in den Topf integriert, so dass Brenner und Topf das geschlossene System bilden. Der Topf wird durch ein Dreh- und Klick-System mit dem Brenner fest verbunden. Zur weiteren Ausstattung gehört ein fest schließender Deckel, der mit einer Trink- und einer Sieböffnung versehen ist. Eine Schüssel mit einem Volumen von 470ml, die gleichzeitig auch als Schutzhülle fungiert, sowie ein Kartuschenstandfuß, der die Standfestigkeit des Kochers auf unebenem Untergrund verbessert. Schüssel und Deckel bestehen aus hitzebeständigem Kunststoff, natürlich BPA-frei. Der Topf ist mit einer Isolations-Manschette umhüllt, an der ein recht stabiler Griff montiert ist.  Alle Komponenten werden im Topf verstaut, zusätzlich passt noch eine 110g-Gaskartusche in den Topf. Dadurch bleibt das Packmass minimal, das Gewicht liegt bei rund 430g, ohne Kartusche.

Der MSR WindBurner bringt schon alles mit, was zum Kochen gebraucht wird

Der MSR WindBurner bringt schon alles mit, was zum Kochen gebraucht wird, nur Löffel und Gas  braucht man noch

Die Praxis

Der erste, offensichtliche Vorteil des WindBurners ist seine Kompaktheit. Alles befindet sich im Topf, der mit dem Deckel fest verschlossen wird. Damit hat man alle Komponenten sofort zur Hand. Zunächst wird die Kartusche an den Brenner geschraubt, der Kocher aufgedreht und angezündet. Hierbei ist zu beachten, dass es ein paar Umdrehungen braucht, bis Gas entströmt. Sobald der Kocher entzündet ist kurz warten, bis der Draht des Brenners rot glüht, dann erst wird der Topf aufgesetzt und kurz gedreht, so dass er fest mit dem Brenner verbunden ist.

Der Strahlungsbrenner des MSR WindBurner erzeugt keine offene Flamme

Der Strahlungsbrenner des MSR WindBurner erzeugt keine offene Flamme

Das funktioniert sehr einfach und zuverlässig. Den Topf hält man dabei am stabilen Griff, den Brenner fasst man an der Kunststoffummantelung an, die keine Wärme annimmt. Dadurch kann man den Kocher immer anfassen, auch wenn man den Topf wieder vom Brenner trennt. Unter normalen Verhältnissen bringt der WindBurner einen Liter Wasser sehr schnell zum Kochen. Bei Temperaturen um 15 bis 20 Grad kocht der Liter nach ca. 2:50 min. Das ist wirklich flott, wenn auch kein Weltrekord. Ein normaler Aufschraubkocher wie zum Beispiel der EOE Titanium benötigt für den Liter 30 bis 40 Sekunden länger. Vorausgesetzt es ist relativ windstill! Kocht das Wasser, den Kocher ausmachen, den Topf wieder durch kurzes Drehen entriegeln und abnehmen. Auch das klappt wie vorher beschrieben einfach und problemlos.

Praktisch ist die Volumenmarkierung im Topf, so dass es kein Problem ist, die richtige Menge Wasser für fertige Trekkingmahlzeiten direkt im Topf abzumessen.
Der Topf an sich ist eher schmal und hoch. Dadurch eignet er sich nicht für aufwendige Outdoor-Menus, auch die Regulierung des WindBurners ist nicht darauf ausgelegt, Leckereien lange simmern zu lassen. Im Gegenteil. Wird der Kocher zu lange bei zu kleiner Regulierung benutzt, kann sich die Flamme durch den Brenner nach unten “durchfressen”, eine konstruktionsbedingte Eigenart. Doch man muss sich keine Sorgen machen, der WindBurner schaltet sich dann automatisch ab. Aber man wird sowieso kaum in diese Verlegenheit kommen, denn der Kocher ist klar darauf ausgerichtet, Wasser möglichst schnell und effizient zu erhitzen.

Wie verhält es sich nun mit der Windfestigkeit? Dies ist ja nun einer der Hauptgründe, sich einen Systemkocher wie den WindBurner zuzulegen. Ganz klar: Perfekt. Während meines Langzeittests in Frankreich gab es einige Male richtig heftige Winde, es waren die Vorboten des Hebstes, die in den Schluchten schon mal richtig stark werden. Der WindBurner macht hier seinem Namen alle Ehre, denn Wind und Sturm interessieren ihn so gut wie gar nicht. Er kocht fast genauso schnell wie bei Windstille, das ist wirklich beeindruckend. Das bekommt man mit herkömmlichen Kochern gar nicht hin. Ungeschützt wird man die Kocher kaum am Laufen halten können und man ist darauf angewiesen, einen effizienten Windschutz zu bauen. Hat man diese Möglichkeit nicht, wird es schwierig. Auch ein Alu-Windschutz bringt bei starkem Wind nicht mehr sehr viel, da er meistens nicht hoch genug ist. Das Anzünden mit Feuerzeug oder Streichholz kann bei Starkwind auch beim WindBurner schwierig sein, da das System in dieser Situation noch nicht geschlossen ist. Ein Zündstahl funktioniert hier besser.

Verpackt wird alles im Topf - vom Brenner bis zur 110g-Kartusche passt alles rein

Verpackt wird alles im Topf – vom Brenner bis zur 110g-Kartusche passt alles rein

Auch die Performance unter sehr kalten Bedingungen lässt wenig zu wünschen übrig. Zum Testen habe ich mehrere Gaskartuschen fünf Stunden bei minus 20 Grad in die Tiefkühltruhe gelegt. Zum Vergleich habe ich einen normalen, kleinen Aufschraubkocher und einen Gaskocher mit Leitung, Vorheizspirale und drehbarem Kartuschenanschluss herangezogen. Das Ergebnis: Der WindBurner und der Kocher mit Vorheizspirale hatten kein Problem, einen Liter Wasser zum Kochen zu bringen. Es dauerte nur etwas länger, mehr als doppelt so lang. Der Aufschraubkocher bemühte sich, war jedoch kaum in der Lage, das Gas aufgrund des Druckabfalls in der Kartusche vernünftig umzuwandeln und schaffte es nicht, das Wasser wirklich zum Kochen zu bringen. Auch wenn der WindBurner und der Kocher mit Spirale fast gleich gut funktionierten, gilt es zu bedenken, dass die Außentemperatur bei dem Test bei ca. 14 Grad lag. Und es war windstill. Bei stärkerem Wind hätte der WindBurner mit Sicherheit effektiver und schneller funktioniert. Der Grund, warum der WindBurner auch bei Kälte so gut funktioniert liegt am eingebauten Druckregler. Dieser stellt sicher, dass der Kocher eine gleichbleibende Leistung erzielt, auch wenn der Kartuschendruck fällt.

Fazit

Der MSR WindBurner ist ein sehr durchdachtes und perfekt funktionierendes Kochersystem. Er spielt seine Stärken vor allem unter widrigen äußerlichen Gegebenheiten aus, starkem Wind und Kälte. Können konventionelle Gaskocher bei entsprechender Ausrüstung noch recht gut mit Kälte umgehen, wird es bei starkem Wind immer kritisch. Das ist der größte Pluspunkt des WindBurners. Er funktioniert genauso gut bei Starkwind wie bei Windstille. Ein weiterer großer Pluspunkt ist seine Effektivität. Auch unter normalen Umständen bringt er Wasser extrem schnell zum Kochen und spart dadurch sehr viel Brennstoff ein. Geht man davon aus, dass er ungefähr ein Drittel weniger Brennstoff verbraucht als der durchschnittliche Gaskocher wird man die Ersparnis schon bei kleineren Touren spüren. Man muss weniger Gas mitnehmen und reduziert somit das Gewicht und Volumen des Gepäcks. Auch seine Kompaktheit und sein niedriges Gewicht prädestinieren ihn für Solowanderer oder auch für zwei Personen, die keine großen Ansprüche an die Outdoorküche haben und hauptsächlich Fertigmahlzeiten, Suppen und Kaffee oder Tee zubereiten. Perfekt ist er auch für alle alpinen Unternehmungen geeignet, wo Wind und Kälte den Einsatz von herkömmlichen Gaskochern nicht erlauben. Ein weiterer Vorteil ist die hervorragende Ausstattung. Im Prinzip braucht man nur eine Gaskartusche und einen Löffel, der ganze Rest ist schon dabei – außer den Menus natürlich… Und wer auch noch auf die Herkunft achtet: Der Kocher wird komplett in den USA, im Headquarter von MSR in Seattle hergestellt…

Text & Fotos: Guido Schwarz

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