Im Trekking-Rucksackbereich hat sich lange Zeit nichts so richtig Innovatives getan, jetzt hat die amerikanische Rucksackschmiede Osprey ein vollkommen neues Tragesystem vorgestellt, bei dem uns schon beim ersten Anfassen und Anschauen klar war, dass das etwas wirklich neues sein könnte. Das neue System nennt sich “AntiGravity” und zeichnet sich vor allem durch ein komplett durchgehendes 3-D Mesh-Material aus, das sich von der gesamten Rückenplatte über die Hüftflossen und die Schultergurte zieht.

Wirklich innovativ: Das AntiGravity Tragesystem

Das AntiGravity System stellt insofern eine Neuheit dar, weil es sich dem Rücken des Trägers anpassen , das Gewicht perfekt verteilen und vor allem den Tragekomfort stark verbessern soll. Osprey verwendet dazu eine Netzstruktur, die, anders als bei allen anderen Systemen, die mit einem Netz arbeiten, nicht nur die Rückenplatte abdeckt, sondern von oben bis nach ganz unten und über die volle Länge der Hüftflossen geht. Mit der Verlängerung des Netzes über die Hüftflossen erreicht Osprey eine Stabilisierung des kompletten Tragesystems. Ein weiterer großer Vorteil: Es gibt keine punktuellen Druckstellen mehr im unteren Rückenbereich, wo normalerweise das untere Rückenpolster sitzt.

Das Tragesystem beruht vor allem auf der durchgehenden Netzkonstruktion

Das Tragesystem beruht vor allem auf der durchgehenden Netzkonstruktion

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Besonders an den Hüftflossen fällt auf: Sie sind stark vorgeformt. Um den Rucksack aufzusetzen muss man buchstäblich erst die Hüftflossen nach hinten biegen, anders geht es gar nicht. Und dann kehren sie automatisch in ihre Position zurück, es bleibt also gar nichts anderes, als die Schnalle auch zu schließen. Man kann es sich in etwa so vorstellen, als würde man eine Jacke anziehen.

Perfekte Ausstattung

Der Atmos AG 50 ist komplett ausgestattet, aber keinesfalls überladen. Im Gegenteil. Dafür, was er alles bietet ist es ein sehr schnörkelloser Rucksack, der keine unnötigen Gimmicks hat. Was er aber hat macht Sinn und ist perfekt durchdacht: Das Deckelfack ist abnehmbar. Sollte man das machen, steht man in der Regel vor dem Problem, dass das Hauptfach nur noch durch den Schnürzug geschützt wird. Osprey hat dem Atmos aber noch einen extra “Deckel” spendiert, eine Abdeckung, die das Hauptfach schützt, wenn der Deckel abgenommen ist. Der Deckel selbst ist mit zwei großzügigen RV-Fächern ausgestattet. Das obere beherbegt gleichzeitig die mitgelieferte Regenhülle, die auch herausgenommen werden kann. In diesem Fach findet sich noch ein Schlüsselkarabiner. Das untere, größere Fach bietet sehr viel Platz für alles, was schnell erreichbar sein muss. Das Hauptfach ist zweigeteilt, ganz klassisch, unten befindet sich das Schlafsackfach mit separatem RV-Zugang, die Abtrennung innen kann man entfernen, so dass ein großes, durchgehendes Fach entsteht.
Außen gibt es noch ein großes Netzfach, das von der Regenjacke über das nasse Außenzelt alles mögliche aufnehmen kann. An den Seiten befindet sich je eine große Netztasche, die zusätzlich eine Öffnung zum Träger hin hat, in die man perfekt die Trinkflasche stecken kann. So kommt man ohne größere Verrenkungen an die Flasche. Die Hüftflossen sind auch noch mit je einer kleineren RV-Tasche bestückt für Kleinigkeiten von der Sonnencreme bis zum Müsliriegel.Weiterhin gibt es die Osprey-typischen Trekkingstock-Schnell-Halterung, mit deren Hilfe man die Trekkingstöcke sehr schnell versorgen kann, ohne den Rucksack abnehmen zu müssen. Ein Fach im Inneren für ein Trinksystem und Befestigungsmöglichkeiten für Pickel sind natürlich genauso vorhanden.

Es ist also alles vorhanden, was man braucht und noch ein bißchen mehr. Und alles gut durchdacht und sehr gut umgesetzt im Detail.

Integrierte Schnellaufnahme für Trekkingstöcke, großes Netzfach und Kompressionsriemen

Integrierte Schnellaufnahme für Trekkingstöcke, großes Netzfach und Kompressionsriemen

 

Die Praxis

Wie trägt sich der Rucksack mit dem neuen Tragesystem nun?
Das erste Gefühl nachdem man den Rucksack aufgesetzt hat und alles eingestellt hat ist schon mal sehr gut. Der Atmos sitzt sehr kompakt am Rücken und die Lastverteilung fühlt sich sehr angenehm an. Man hat das Gefühl, dass der Rucksack sich dem kompletten Rücken anpasst, die Hüftflossen drücken in keinster Weise, auch wenn man sie richtig festzieht, um das Gewicht möglichst auf die Hüfte zu verlagern. Man muss ein wenig mit den Einstellungen der Schultergurte und Lastriemen spielen, um die perfekte Balance zu erreichen, anfangs kann man das Gefühl bekommen, dass der Rucksack etwas nach hinten zieht. Hat man aber die richtigen Einstellungen gefunden ist es sehr angenehm, der größte Teil des Gewichtes wird auf die Hüfte übertragen. Interessanterweise hatte ich den Eindruck, dass man die Hüftflossen nach einiger Zeit wieder etwas lockern kann und das Gewicht trotzdem gut auf der Hüfte sitzt. Ich hatte den Atmos mit bis zu 16 Kilo beladen und nicht das Gefühl, dass er an seine Grenze gestoßen ist, was die Zuladung angeht.

Zwei Dinge sind besonders auffällig: Zum einen die Ventilation am Rücken. Auch nach längerer Zeit ist der Rücken nicht so durchgeschwitzt wie bei andern Trekkingrucksäcken, die in der Regel direkt am Rücken liegen. Dieser Effekt ist wirklich als sehr positiv zu sehen, denn das Meshnetz des Tragesystems scheint eine wirklich hervorragende Ventilation zu gewährleisten.

Zum anderen natürlich das Tragegefühl an sich. Der Atmos “verschmilzt” fast mit dem Rücken, es gibt keine Druckstellen. Besonders im Bereich der unteren Rückenwirbel, wo oft durch die Polster bei anderen Tragesystemen und höheren Gewichten mit der Zeit ein Druck entstehen kann, verteilt der Atmos das Gewicht rund um die Hüfte. Also vom Rücken über die Hüftflossen auf ganzer Breite. Der Vergleich mit einer gut sitzenden Jacke drängt sich auch hier wieder auf, der Atmos fühlt sich einfach nicht wie ein Fremdkörper auf dem Rücken an, sondern gehört nach kurzer Zeit einfach dazu. Schwierig zu beschrieben, das muss man einfach mal selbst gespürt haben. Es gibt natürlich einen Unterschied zu Tragesystemen, die sehr reduziert sind, wie beispielsweise beim Exped Thunder (Testbericht bald auch hier an dieser Stelle). Anfangs hat man das Gefühl, dass der Rucksack sehr massiv, dabei aber nicht unangenehm am Rücken liegt. Durch die extreme Vorformung und die Breite und Dicke der Hüftflossen stellt sich das Gefühl ein, dass die Bewegungsfreiheit im Vergleich zu leichteren und reduzierteren Rucksäcken etwas eingeschränkter ist und man eher keine längeren Kraxelpassagen mit dem Rucksack machen würde. In Teilen wird das sicher auch so sein, wenn man den Atmos aber länger trägt gewöhnt man sich an das Gefühl der “Umklammerung”. Mittlerweile würde ich sagen, dass sich der Atmos genauso für längere Touren in den Bergen eignet wie leichtere und abgespecktere Rucksäcke.

Fazit

Mit dem AntGravity Tragesystem ist Osprey ein ganz großer Wurf gelungen! Im Atmos zeigt sich, was das neue Tragesystem kann. Das Konzept ist sicher nicht ganz neu, die konsequente Umsetzung aber schon. Gerade bei größeren Rucksäcken gab es ein solches System bisher noch nicht. Der Tragekomfort ist hervorragend, die Belüftung mit das Beste, was man sich derzeit vorstellen kann. Die Ausstattung des Atmos ist sehr durchdacht, man wird kaum etwas vermissen. Trotz üppiger Ausstattung haben die Designer bei Osprey einen sehr cleanen Rucksack entworfen, der sehr leicht zu bedienen ist.

Der Atmos AG ist auch als Damenmodell erhältlich, dann heißt er Aura AG.

 

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