Die Schweizer Tüftler von Exped erweitern seit Jahren konsequent ihr Rucksack-Programm. Nach wasserdichten Rucksäcken und Rucksäcken für den alpinen Bereich kamen Trekking- und Backpacking Rucksäcke mit größeren Volumen. In letzter Zeit lag der Fokus auf sehr leichtgewichtigen Rucksäcken mit minimalistischer Ausstattung. Die Rucksäcke aus der Thunder-Serie ergänzen das Programm nun um sehr leichte Rucksäcke, die bessere Möglichkeiten bieten, die Ausrüstung zu organisieren und einen einfacheren Zugriff darauf ermöglichen. Wir haben das 50-Liter-Modell genauer unter die Lupe genommen.

Sehr reduziertes Tragesystem

Das Tragesystem des Thunder 50 besteht aus einer zentralen Aluminiumstange, die über die gesamte Länge des Rückens reicht. Die individuelle Rückenlänge wird über diese Stange eingestellt, indem man die Schulterriemen löst und die Aufhängung der Schulterriemen nach oben oder unten schiebt. Das funktioniert sehr einfach und kann bei unterschiedlichen Trägern auch schnell unterwegs erledigt werden. Polsterungen sind nur im Bereich der Schultern bis zu den Schulterblättern und am unteren Ende des Rückens durch ein zentral sitzendes Polter vorhanden. Die Hüftflossen sind direkt am Packsack angebracht. Der Schaumstoff ist vorgeformt und passt sich hervorragend der Hüfte an. Durch dieses reduzierte System bleibt das Gewicht des Rucksackes sehr niedrig.

Das Tragesystem des Thunder mit der zentralen Aluminiumstange

Das Tragesystem des Thunder mit der zentralen Aluminiumstange

Durchdachte Auststattungsmerkmale

Die Auststattung des Thunder ist auf den ersten Blick eher minimalistisch, schnell wird aber klar, dass Exped sehr genau über die Bedürfnisse seiner Kunden nachgedacht hat. Denn was der so minimalistisch anmutende Rucksack zu bieten hat ist nicht wenig. Der Packsack an sich besteht aus einer Kammer, es gibt also kein separates Schlafsackfach. Der Zugang erfolgt entweder ganz klassisch von oben oder sehr komfortabel von vorne, indem die Vorderseite mit zwei Reissverschlüssen geöffnet wird. Es ist natürlich auch möglich, nur den Reissverschluss auf einer Seite zu öffnen, dann kann der Deckel geschlossen bleiben. Die Reissverschlüsse sind mit breiten Abdeckungen versehen, die vor Regen schützen. Der obere Teil der Öffnung ist per Klettverschluss verschlossen, der ebenfalls abgedeckt ist.

Frontlader-Option des Thunder. Zwei RV's sowie ein kräftiger Klett oben

Frontlader-Option des Thunder. Zwei RV’s sowie ein kräftiger Klett oben

Auf der Vorderseite befindet sich ein großes Netzfach, in dem von der Regenjacke bis zum nassen Aussenzelt alles Mögliche verpackt werden kann. Zwei weitere größere Netztaschen befinden sich an den Seiten des Thunder. Diese Taschen haben die Besonderheit, dass man den unteren Kompressionsriemen des Rucksackes über zwei Löcher durch die Netztaschen führen kann, die damit auch bei festgezogenen Kompressionsriemen noch für beispielsweise Trinkflaschen zu benutzen sind. Eine typische Kleinigkeit, die Exped ausmacht. Auf der Vorderseite befinden sich zudem noch zwei Daisy Chains, mit deren Hilfe man per Spannriemen auch Sperriges an den Rucksack bekommt. Die Deckeltasche hat ein sehr großes Fach, auf das man von außen zugreifen kann und ein weiteres innen für Wertsachen etc. Im Inneren findet sich das obligatorische Fach für eine Trinkblase sowie beidseitig dazugehörige Ausgänge für den Schlauch. Zwei weitere größere RV-Fächer befinden auf den Hüftflossen.

Exped verzichtet beim Thunder wie bei allen Rucksäcken auf herkömmliche Schnallen aus Kunststoff und verwendet für alle Schnallen sogenannte Rapid Hooks aus Aluminium, die sehr leicht zu bedienen und so gut wie unverwüstlich sind. Alle Gurtbänder sind mithilfe von Klettverschlüssen verkürzbar. Auch eine typische Exped-Erfindung, die sehr praktisch ist, da dadurch bei starkem Wind keine Gurtbänder mehr herumfliegen.

Rapid Hooks statt Kunststoffschnalleen und Klettverschlüsse zum Verkürzen der Riemen

Rapid Hooks statt Kunststoffschnalleen und Klettverschlüsse zum Verkürzen der Riemen

Wie man sieht, steckt also eine ganze Menge durchdachter Details in dem schlicht daher kommenden Thunder!

Die Praxis

Als ich den Thunder zum ersten Mal gesehen habe war ich ehrlich gesagt schon etwas skeptisch, ob man mit so einem reduzierten Tragesystem eine vernünftige Lastübertragung hinbekommt. Also habe ich ihn auf einigen Touren auch mal richtig gut beladen, einmal hatte ich sogar noch 5 Kilo Brennholz in einem Ortliebsack außen dran hängen. Um es gleich vorweg zu nehmen: Der Thunder ist ein sehr bequemer Rucksack, der ordentlich beladen werden kann. 15 Kilo sind kein Problem, darüber wird es dann schon ein wenig ungemütlich. Aber einen 50-Liter-Rucksack wird man kaum mit sehr viel mehr beladen, das gibt das Volumen schon vor.

Große Netzseitentaschen, der Kompressionsriemen kann durch Löcher geführt werden

Große Netzseitentaschen, der Kompressionsriemen kann durch Löcher geführt werden

Setzt man den Thunder zum ersten mal auf und stellt ihn ein, bemerkt man sofort, dass das untere Rückenpolster stark zu spüren ist. Die Hüftflossen schmiegen sich sehr gut an die Hüfte, sind schön breit und nicht zu hart. Interessanterweise schafft man es schnell, das Gewicht so zu verteilen, dass kaum etwas an den Schultern zieht und die Hauptlast tatsächlich auf der Hüfte liegt. Die zentrale Stange und die direkt am Packsack befestigten Hüftflossen harmonieren sehr gut miteinander und verteilen das Gewicht fast perfekt auf die Hüfte. Die Schultergurte sind recht schmal, aber aus einem sehr angehnemen Schaumstoff mit einer Festigkeit geformt, so dass man sie schnell nicht mehr bemerkt. Das Drücken des Rückenpolsters nimmt man anfangs noch recht stark wahr, nach kurzer Zeit hat man sich daran gewöhnt und man bemerkt es nicht mehr. Dieser Punkt war eigentlich der heikelste, denn ich war mir sicher, dass ich mich an diesen Druck nicht gewöhnen würde. Aber falsch gedacht. Die Schaumstoffe sind so gut, dass sich die wenigen Auflagepunkte wirklich sehr gut an den Körper anpassen.

Ein weiterer Vorteil des reduzierten Tragesystems ist die Belüftung des Rückens. Denn da eigentlich nur die Schulterblätter und der untere Teil des Rückens Kontakt mit dem Rucksack haben, wird der Rest wunderbar belüftet und man hat auch nach langen Strecken überhaupt nicht das Gefühl, dass man total durchgeschwitzt wäre. Sehr angenehm!

Großes Netzaußenfach und Daisy Chains zum Anbringen zusätzlicher Ausrüstung

Großes Netzaußenfach und Daisy Chains zum Anbringen zusätzlicher Ausrüstung

Auch die Bedienung und der Zugriff auf den Inhalt sind wirklich hervorragend. Die Riemen laufen alle leichtgängig, die Möglichkeit die Riemen mithilfe der Klettverschlüsse zu kürzen ist genial. Zum einen flattern sie nicht herum, zum anderen ist der Rucksack dadurch viel cleaner. Der Zugang von vorne zum Hauptfach ist prima, egal, ob man nur eine Seite öffnet um schnell die Jacke hervorzuholen oder komplett aufmacht um Zelt, Schlafsack, Isomatte herauszuholen, es ist immer viel angenehmer, als alles von oben ausräumen zu müssen.

Fazit

Mit dem Thunder 50 hat Exped einen tollen, extrem leichten Rucksack gebaut. Trotz seiner Reduzierung auf das Wesentliche, gerade beim Tragesystem, schafft er ordentliche Lasten zu transportieren. So eignet er sich bestens als Tourenrucksack für längere Treks ohne Zelt oder aber auch für Wochenendtouren mit Zelt. Auch als Wanderrucksack für Wochenenden in den Mittelgebirgen ist er perfekt geeignet. Aber auch in den Bergen fühlt er sich bestens aufgehoben, durch seine schlanke Form und und gute Bewegungsfreiheit. Und zu guter Letzt ist er auch als Reiserucksack eine sehr gute Wahl, durch die unterschiedlichen Zugangsmöglichkeiten und die zusätzlichen Staufächer an der Außenseite. Ein echter Allrounder, der mit einem sehr niedrigen Eigengewicht punktet.

Exped Thunder 50 sicher online bestellen

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