Mit dem Enan stellt Hilleberg endlich das ultraleichte Solozelt vor, auf das viele Fans der schwedischen Zeltschmiede schon lange gewartet haben. Das Enan gehört in die Yellow Label Kategorie der Hilleberg-Zelte, ist also vorwiegend als 3-Jahres-Zelt konzipiert. Trotzdem ist es ein echtes Hilleberg, die Schweden sind nur bis zu einem gewissen Grad Kompromisse eingegangen, um das Verhältnis zwischen Gewicht und Stärke nach ihren Ansprüchen aufrechtzuerhalten.

Wir haben es für euch ausführlich getestet…

Design

Das Design des Enan orientiert sich am tausendfach bewährten Akto, dem Solozelt-Klassiker von Hilleberg. Es gibt einen Gestängebogen mit einem durchgehenden Stangenkanal. Die dadurch entstehende Apside ist geräumig und erstreckt sich über die komplette Länge des Innenzeltes. Sie bietet Platz für die Ausrüstung und zum Kochen bei schlechtem Wetter. Der Außenzelteingang kann ab dem Gestängebogen, wo sich der Reißverschluss befindet, fast über die komplette Länge des Außenzeltes hochgerollt und befestigt werden, so dass der Zugang zum Innenzelt sehr leicht fällt. Der Innenzelteingang besteht komplett aus Mesh-Material, wodurch eine hervorragende Belüftung des Innenzeltes gewährleistet ist. Der Reißverschluss des Inennzeltes ist genauso wie der des Außenzelteinganges ein Zweiwege-Reißverschluss, was die Bedienung sehr einfach macht und die Möglichkeit bietet, in sehr warmen Nächten einen Teil des Einganges offen zu lassen (natürlich nur in Gegenden ohne lästige Stechmücken). Die Kopf- und Fußenden des Außenzeltes werden aus dem gleichen, sehr robusten Netzmaterial gefertigt. Dadurch entsteht ein konstanter Luftstrom auch im Innenzelt, der für eine permanente Belüftung des Zeltes sorgt. In den Meshstücken des Außenzeltes an Kopf- und Fußende sind zusätzlich Glasfaserstäbe fest eingearbeitet, die für mehr Raum an Kopf- und Fußende sorgen. Das Außenzelt ist dadurch immer auf Abstand zum Innenzelt und man hat ein relativ gutes Raumgefühl im Inneren des Zeltes. Die Netzpartien können bei schlechtem Wetter durch Abdeckungen, die bei Nichtgebrauch in kleinen Taschen über den Netzeinsätzen verschwinden, geschützt werden. Diese Abdeckungen lassen sich im geschlossenen Zustand in den äußersten Ösen der Innenzeltbefestigung fixieren. Sie schützen zum einen vor Regen und zum anderen vor starkem Wind. Im Unterschied zu den anderen Zelten der Yellow Label Serie ist das Außenzelt des Enan komplett bis auf den Boden gezogen, da die Belüftung eben über die Netzpartien an Kopf- und Fußende funktioniert. Das Innenzelt wird wie bei Hilleberg gewohnt per Schlaufen in das Außenzelt eingehängt und kann ganz einfach nur zum Teil oder auch komplett ausgehängt werden. Das Enan kann mittels Abspannleinen, die auf jeder Gestängeseite doppelt befestigt sind, zusätzlich abgespannt werden.

Das Hilleberg Enan orientiert sich am einfachen Design des Akto mit einem Gestängebogen

Das Hilleberg Enan orientiert sich am einfachen Design des Akto mit einem Gestängebogen

Materialien

Hilleberg hat für das Enan ein vollkommen neues Außenmaterial entwickelt, das Kerlon 600. Es ist das bis dato dünnste Material, das Hilleberg je als Außenzelt-Material eingesetzt hat. Trotzdem ist es nicht das leichteste Material am Markt. Aber Hilleberg wollte ein Material, das einerseits extrem leicht ist, andererseits aber auch die Ansprüche der Firma an Stärke und Robustheit erfüllt.

Das neue Kerlon hat eine Weiterreißfestigkeit von 6 Kg und wird damit auch stärkeren Stürmen trotzen können. Es besteht aus einem 10 Denier High Tenacity Ripstop Nylon und ist wie alle anderen Kerlon-Materialien auch doppelseitig mit 3 Lagen Silikon beschichtet und wurde während der Färbung für eine erhöhte UV-Beständigleit behandelt. Die Farbgebung ist noch etwas dunkler als bei den anderen Hilleberg Zelten. Ich finde es sehr gut, so passt es sich noch besser in die Natur ein und ist noch unauffälliger.

Als Gestänge wird ein 9mm DAC-NSL-Gestänge verwendet, das bei allen Zelten der Yellow- und Red Label Serien verwendet wird. Hilleberg hat auch mit dünneren Gestängen experimentiert, dabei aber festgestellt, dass die Gewichtsersparnis in keinem Verhältnis zur Stärke des Gestänge steht und sich daher entschlossen, das bewährte 9mm-Gestränge zu verwenden.

Der Boden besteht aus einem 50 Denier-Nylon mit einer Wassersäule von 5.000mm. Das Material wurde zweifach PU-beschichtet. Das ist für Hilleberg-Verhältnisse natürlich schon recht dünn, gehört aber zu den Kompromissen, die Hilleberg eingegangen ist, um das Zelt wirklich leicht zu machen.

Das Innenzelt besteht ebenfalls aus einem 10 Denier Ripstop Nylon, das imprägniert wurde und eine hohe Dampfdurchlässigleit gewährleistet.

Der Zweiwege-Reißverschluß des Außenzeltes kommt von YKK und hat eine ordentliche Größe und einen vernünftig großen Zipper, der auch mit Handschuhen problemlos zu bedienen ist. Auch hier ist Hilleberg keine Kompromisse eingegangen. Der Reßverschluss ist durch mit einer stabilen Abdeckung versehen und somit regengeschützt.

Der Reißverschluss des Außenzeltes ist großzügig dimnsioniert und auch mit Handschuheh gut zu bedienen

Der Reißverschluss des Außenzeltes ist großzügig dimnsioniert und auch mit Handschuheh gut zu bedienen

Die Heringsschlaufen direkt am Außenzelt bestehen wie bei allen Hilleberg-Zelten aus rostfreiem Metall. Der Gestängefuß ist gewohnt großzügig bemessen, so dass der Gestängebogen ohne Probleme darin aufgenommen wird. Der Schnürzug am Gestängefuß besteht ebenfalls aus Metall. Wie man schon an der Aufzählung erkennen kann, ist Hilleberg bei den Materialien für Innen- und Außenzelt sowie Boden neue Wege gegangen, bei Details, wie die Heringsösen oder den Reißverschlüssen, Teilen also, die ständig starken Belastungen ausgesetzt sind, wurden keine Kompromisse eingegangen.

An Heringen legt Hilleberg die neuen Tri-Pegs bei. Sie sind extrem leicht, stoßen bei härteren oder gefrorenen Böden aber schnell an ihre Grenzen. Ich habe sie recht schnell durch längere und stabilere V-Pegs ersetzt.

Heringsösen aus rostfreiem Metall

Heringsösen aus rostfreiem Metall

Praxis

Jetzt aber direkt in die Praxis! Nimmt man das Zelt zum ersten Mal in die Hand fällt definitiv als erstes das geringe Gewicht und das seidige Gefühl des Stoffes auf. Der Packsack wird aus dem gleichen Material wie das Außenzelt hergestellt. Die Länge entspricht natürlich der Länge des gefalteten Gestängebogens. Lässt man den Gestängebogen weg und verpackt ihn separat, hat man ein schönes, kleines Päckchen in der Hand.

Der Aufbau des Enan geht unglaublich schnell und einfach. Zelt ausrollen, mit einen Hering die Abspannleine an windzugewandte Seite fixieren, Gestängebogen einführen, Zelt aufspannen, einen Hering in die gegenüberliegende Seite stecken und schon steht das Zelt. Hilleberg hat den Gestängekanal erfreulicherweise nicht zu eng dimensioniert, so dass das Einführen des Gestängebogens ganz einfach funktioniert. Besonders, wenn das Gewebe feucht ist, ist das ein großer Pluspunkt. Zur richtigen Fixierung kommen noch vier weitere Heringe dazu, jeweils zwei an den Enden, für die die Heringsösen rechts und links am Außenzelt angebracht sind. Damit ist das Enan im Grunde fertig aufgebaut. Natürlich müssen noch die Abspannleinen an den beiden Enden gespannt werden und auch der Gestängebogen muss noch festgezogen werden. Unter windigen Bedingungen sollten auf jeden Fall noch die beiden zusätzlichen Abspannleinen am Gestängebogen verwendet werden, wozu es nochmals zwei Heringe braucht. Alles in allem ist der Aufbau des Zeltes mit etwas Übung in weniger als fünf Minuten bewerkstelligt.

Der Abbau funktioniert genauso fix, wenn das Außenzelt richtig feucht ist und das Wetter nicht gerade freundlich, empfiehlt es sich, das Innenzelt auszuhängen und separat zu verpacken, damit es im Packsack durch das feuchte Außenzelt nicht auch noch nass wird. Das Aushängen geht schnell, einfach die Schlaufen entlang des Gestängebogens und an Kopf- und Fußende entfernen. Das Einhängen ist dann auch kein Problem, man muss sich natürlich ein bisschen strecken.

Das Platzangebot des Enan ist für eine Person vollkommen ausreichend. In die Apside passt ein großer Trekkingrucksack. Der vordere Teil des Außenzeltes kann bei geöffnetem Reißverschluss fast komplett aufgerollt und fixiert werden. Damit bekommt man bei schönem Wetter eine prima Aussicht. Auch zum Einräumen der Isomatte und des Schlafsackes hat man genügend Platz und muss sich nicht verrenken, um ins Innenzelt zu gelangen.

Großzügige Apside mit genügend Platz für einen Trekkingrucksack. Das Außenzelt lässt sich fixieren und eröffnet dadurch einen großen Zugang.

Großzügige Apside mit genügend Platz für einen Trekkingrucksack. Das Außenzelt lässt sich fixieren und eröffnet dadurch einen großen Zugang.

Das Innenzelt ist mit einem großen Eingang aus Netzstoff zugänglich, der ebenfalls fixiert werden kann, so dass er nicht stört. Einen zusätzlichen, dichten Stoff gibt es beim Enan nicht. Da es hauptsächlich als 3-Jahreszeiten-Zelt konzipiert ist macht das auch Sinn.
Der Innenraum gestaltet sich sehr freundlich durch den gelben Innenzeltstoff. Auch wenn das Außenzeltgewebe dunkler als bei Hilleberg gewohnt ist, bleibt es im Innenzelt hell. Das Platzangebot sollte auch für größere Personen bis an die 2 Meter ausreichend sein. Durch die Fiberglasstäbe im Außenzelt an Kopf- und Fußende ist das Innenzelt in diesen Bereichen recht hoch, so dass für auch dickere Winterschlafsäcke Platz genug ist. In der Mitte ist der Innenraum breiter und bietet Platz für Kleidung, Packsäcke und andere Dinge. Es gibt zwei Taschen, die Stirnlampe, Handy, Riegel oder andere Kleinigkeiten aufnimmt. Entlang des Gestängebogens sind noch Schlaufen im Innenzelt eingenäht, durch die man eine Leine ziehen könnte, um nasse Socken, eine kleine Zeltlaterne oder ähnliches aufzuhängen.

Das Innenzelt bietet genug Platz und hat eine sehr freundlich, warme Atmosphäre. Zwei Netztaschen nehmen Kleinkram auf.

Das Innenzelt bietet genug Platz und hat eine sehr freundlich, warme Atmosphäre. Zwei Netztaschen nehmen Kleinkram auf.

Schließt man das Außenzelt, hat man die Möglichkeit, den Eingang von Innen auch von oben zu öffnen, um etwa eine noch bessere Belüftung beim Kochen zu bekommen. Es gibt allerdings keine Regenhutze, die den Eingang bei Regen schützen würde.
Die Belüftung funktioniert wie schon erwähnt über die beiden Netzflächen des Außenzeltes an Kopf- und Fußende. Diese Netzflächen sind wirklich groß dimensioniert und man spürt bei Wind einen permanenten Luftzug im Inneren des Zeltes. Dadurch, dass der gleiche Netzstoff auch großzügig als Eingang des Innenzeltes verwendet wurde, spürt man auch im Innenzelt einen permanenten Luftstrom. Das ist in warmen Nächten natürlich sehr genial.

Die großen Belüftungen an Kopf- und Fußende.

Die großen Belüftungen an Kopf- und Fußende.

Etwas anders sieht es dementsprechend aus, wenn man unter kalten und windigen Bedingungen zeltet. Unter solchen Bedingungen empfiehlt es sich auf jeden Fall, die beiden Netzflächen des Außenzeltes mit den Abdeckungen zu verschließen. Die Abdeckungen befinden sich in Taschen oberhalb der Netzflächen und sind ganz schnell ausgepackt. Fixiert werden sie per Steckknöpfe in den Ringen des Außenzeltes. Allerdings kommt dann immer noch etwas Wind durch, denn an den Seiten gibt es keinen Reißverschluss, mit dessen Hilfe man die Abdeckungen wirklich dicht bekommen würde.

Ich habe das Zelt hauptsächlich in den Höhenlagen des Schwarzwaldes im Frühjahr getestet, dabei war es meist deutlich unter Null und teilweise auch sehr stürmisch. Unter solchen Bedingungen ist man im Enan nicht vollkommen geschützt, denn auch wenn die Abdeckungen geschlossen sind, kommt immer noch recht viel Wind durch und den spürt man durch die Netzeingangstür auch im Innenzelt. Mich hat das nicht gestört, man sollte aber schon einen wirklich guten Schlafsack haben… Auch die Kondensbildung ist bei niedrigen Temperaturen trotz der guten Belüftung recht stark, was sich bei Temperaturen unter Null Grad am stark vorhandenen Raureif am Außen- und Innenzelt bemerkbar macht. Es tropft dann aber nicht, daher ist das auch nicht weiter schlimm.

Starke Reifbildung auf dem Außenzelt bei niedrigen Temperaturen.

Bei Regen war das Enan absolut dicht, weder von oben noch von unten kam etwas durch. Auch durch die Nähte des Außenzeltes, die bei silikonisierten Zelten ja in der Regel nicht abgedichtet sind, kam nichts durch. Das ist bei Hilleberg meistens so, allerdings sollte man, will man auf Nummer sicher gehen, die Nähte auch bei einem Hilleberg Zelt abdichten. Was auffällt, ist eine etwas stärkere Kondenswasserbildung. Das liegt wahrscheinlich am fehlenden Lüfter im oberen Teil des Zeltes. Die Kondensbildung ist definitiv nicht so stark wie bei den meisten Einpersonenzelten, leben muss man aber damit. Eine Zeltunterlage, die auch den Apsidenbereich abdeckt, wird sicher auch zu noch weniger Kondensbildung führen.

In warmen Nächten wird man die Vorteile des Designs aber sehr zu würdigen wissen, denn die meisten Einpersonenzelte verfügen bei weitem nicht über eine so ausgeklügelte Belüftung und erinnern oft eher an Schwitzhütten, auch wenn es trocken ist. Das Enan liegt hier durch sein Belüftungssystem klar vorne.

Auch die Sturmstabilität konnte ich während meiner Nächte in den Höhen des Schwarzwaldes recht gut testen. Dort kann es nächtens schon mal zu richtig heftigen Sturmböen kommen, die das Zelt plötzlich packen und ganz schön durchschütteln. Natürlich habe ich das Zelt immer ordentlich abgespannt und die zusätzlichen Abspannleinen immer verwendet. Damit war das Enan auch kaum aus der Ruhe zu bringen. Steht das Zelt mit der Schmalseite im Wind, ist es überhaupt kein Problem, ich kann mir vorstellen, dass es dann auch wirklich heftige Stürme übersteht. Nun kommen solche Böen ja nicht immer brav vor dort, woher sie kommen sollen, also haben sich so manche auch mit voller Wucht gegen die Breitseite des Zeltes geworfen. Aber auch dann stand das Enan zuverlässig und ließ sich kaum aus der Ruhe bringen. Natürlich wird es recht laut, da das Außenzelt in solchen Situationen ganz ordentlich flattert. Das ist aber bei allen Zelten mit so dünnen Materialien und größeren Flächen so.

Made in Estonia: Hilleberg lässt seine Zelte durchweg in der eigenen Fabrik in Estland produzieren.

Made in Estonia: Hilleberg lässt seine Zelte durchweg in der eigenen Fabrik in Estland produzieren.

Was insgesamt begeistert ist die durchweg einfachste Bedienung des Enan. Vom beschriebenen einfachen Auf- und Abbau bis zu den Reißverschlusszippern ist wirklich alles sehr durchdacht. Man merkt, dass Hilleberg beim Enan die ganze Erfahrung aus 40 Jahren Zeltdesign in ein extrem leichtes Solozelt gesteckt hat. Und nicht bei den wirklich wichtigen Punkten gespart hat, weder an Material noch an Gewicht.

Fazit

Mir hat das Enan wirklich sehr gut gefallen. Es ist ein sehr breit einsetzbares und sehr leichtes Solozelt, das nicht für den Einsatz im Winter gebaut wurde, dafür aber von Frühjahr bis Herbst alles mitmacht. Wenn man damit umgehen kann würde ich es auch als Zelt für gemäßigte Wintertouren ohne viel Schneefall empfehlen. Man kann sich auf das Zelt und die Materialien verlassen, es bietet viel Reserve für unvorhergesehene Wetterkapriolen. Bei Sturm und Regen bietet es ausreichenden Schutz, bei gutem Wetter und in warmen Nächten fühlt man sich durch das hervorragende Belüftungssystem pudelwohl. Das Platzangebot ist ausreichend auch für größeres Trekkinggepäck. Der Innenraum ist groß genug für Personen knapp 2 Meter, ab dann wird es sicher zu eng in Kopf- und Fußbereich. Sitzen und Umziehen geht gut, auch das Kochen in der Apside ist, natürlich mit Gefühl und am besten mit einem Gasbrenner, möglich.
Mit dem Enan ist Hilleberg ist großer Wurf gelungen und auch wenn es heutzutage noch 300 g leichtere Zelte gibt, wird es mit Sicherheit sehr viele Freunde finden. Ich bin definitiv einer geworden!

Text & Fotos: Guido Schwarz

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