Mountainbike Alpencross ohne Hüttenübernachtung

Das Mass der Dinge unterwegs ist unser Rucksack. In einen Bikerucksack, der noch alpines Mountainbiken ermöglichen soll, passen maximal etwa 35 Liter. Wie schaffe ich es nun mit dieser Vorgabe und vor allem ohne teure und kompromittierende Hüttenunterkünfte über alle Berge? Die Kunst besteht wieder im gezielten Weglassen und der Auswahl an sehr raffinierter Ausrüstung.

Das Maß der Dinge heißt Packmaß. Nicht größer als eine kleine Wasserflasche: meine Isomatte (gelb)

Während wir bei unseren alpinen Gletschercamps noch Zelte als Basis benutzen, wird das Zelt bei einer ultraleichten Etappenfahrt weggelassen. Allein Schlafsack, Biwaksack und Isomatte reichen aus. Sie haben zusammen nicht mehr Volumen als ein Fußball und sind nur knapp schwerer als 1 kg. Mobilität und Geschwindigkeit sind Priorität und gleichzeitig der Joker. Für den Fall, dass das Wetter auf Regen umschlägt, hat man sich bereits abends einen Plan B überlegt. Wird man aus dem Freibiwak mit Traumaussicht durch Regen geweckt, packt man ein und setzt sich wieder in Bewegung. Ungemütlich zwar, aber anders als beim Bergsteigen unproblematisch. Machmal hat man in der näheren Umgebung auch Ausweichplätze ausgemacht, die trocken bleiben. Dafür kann ich mit diesem mobilen Mini-Paket weite Strecken mit kleinen Rucksäcken durchqueren und gemütliche, stille Biwaknächte im alpinen Sommer in Lagen unter der Schneegrenze genießen. Man sieht hier bereits, der Mountainbike Alpencross im puren Stil verlangt die Königsklasse bei der Materialauswahl.

Hochqualitätsdaune dient als Wärmedämmung im Schlafsack und der Daunenjacke, Strechfleece als vielseitige, bequeme und schnelltrocknende Bekleidung, Merinowolle als Luxusschicht am Körper, dampfdurchlässige und wasserdichte Nylonstoffe als vielseitiger Klimaschutz, und kleinst verpackbare, hochisolierende und bequeme Isomatten darunter als Nachtlager. Letztere haben in den vergangenen Jahren einen mächtigen Innovationsschub erfahren. Nirgends im Outdoorbereich ist die Ratio aus Gewicht und Leistung so optimiert worden wie bei den luftgefüllten und durch Fasern oder Reflexfolien dämmenden Isomatten.

_____  Exkurs: Luftgefüllte Isomatten ______

Therm-a-Rest hat seit 6 Jahren Luft-Isolationsmatten aus luftdichtem, hochzähem Nylon mit Reflexfolien im Inneren und einer 6 cm hohen Luftkammer. Diese Neo-Air Matten haben erstaunliche Eigenschaften, die nie zuvor erreichbar waren. So hat das Modell X-Lite regular beim Packmass einer 1-Liter Flasche, dem Gewicht von nur 350 Gramm (!) und dem R-Wert von 3,2, eine Isolationfähigkeit von Bodentemperaturen von bis zu -6°C. Und ist dabei höchst komfortabel. Da diese Matten sich nicht selbst befüllen, wie ihre Verwandten ‘Selbstaufblasenden’, benutzt man ihren Packsack als Luftpumpe. Nach wenigen Minuten ist man mitten im wüstesten Gelände Besizter eines knallbunten Luxusteils, das Po und Rücken entspannt. Was für ein schöner Luxus-Kontrast, der mich nach geleisteter ‘Tagesarbeit’ immer wieder grinsen lässt.

Septemberabend in den Walliser Alpen

 

Seit kurzem haben diese Neo Air Matten interessante Mitstreiter im Regal der spezialierten Outdoorläden. Die australische Firma Sea to Summit, bei uns durch ihre hochwertigen und ultraleichten Produkte schon lange bekannt, hat nach mehrjähriger Entwicklungszeit ein ganzes Sortiment innovativer Isomatten im Luftzellen-Bauart herausgebracht, die mit den Werten von Therm-a-Rest Neo Air Matten konkurrieren können. Thermisch isolierend beschichtetes Ripstopnylon und mit Polyesterfaser gefüllte Luftkammern haben das Prinzip einer thermisch gedämmten Luftmatraze und den Komfort von Taschenfederkern Matrazen für sich. (Hier gehts zur Comfort Light Insulated Matte). Ein ausfürlicher Praxistest folgt in Kürze. So sind die Luftmatten des Irisch-Amerikanischen Platzhirschen Therm-a-Rest und des Australischen Newcomers Sea to Summit hier die buchstäbliche Grundlage für ultraleichtes Trekken und Liegen im Jahr 2015.

Luftgefüllte Isomatten im Jahr 2015

______________________________________________________________

Tipps aus meiner Erfahrungskiste:

Die Übernachtungsausrüstungen sind die kritischsten Platzverbraucher im Rucksack. Die Entscheidung über die Verpflegung bei einer Tour ohne Hüttenversorgung ist aber ebenso von wesentlicher Bedeutung. Die Grundentscheidung ist, ob ich warme Mahlzeiten für die Abendverpflegung einplane und ob morgens evtl. auf einen heißen Kaffee oder Tee verzichtet werden kann. Machmal fällt diese Entscheidung erst am Start der Tour: Passt der Topf mit Gaskartusche und Brenner in den Rucksack oder nicht. Und zumindest in den italienischen Alpenhütten und Bars wird man im Vorbeifahren auch königlich für den Verzicht auf mobiles Kochen entschädigt.

Das Kochset

Die kleinsten etwa 350 Gramm schweren Kombinationen bestehen aus einem 0,6 l Topf (z.B. Primus Alutech, 150 g, 10×11 cm), der auch gleichzeitig Tasse ist, einem leichten Gasbrenner (MSR Pocket Rocket, 85 g) und der passenden 100 g oder 230 g Gramm fassenden Gaskartusche. Dieses Set versorgt mich mit etwa einer halben oder ganzen Stunde Gas (entspricht etwa 7 oder 15 Liter kochendem Wasser) und passt in den zuerst genannten Topf. Genug für 2 Abendessen aus hochkalorischen Trekkingmahlzeiten und dreimal Frühstückskaffee oder Tee. Die Packverhältnisse verbessern sich, wenn mehrere Personen mitfahren, denn das Topfset wird nur einmal gebraucht.

Wassertransport

Das mobile Wassereservoir sollte nicht zu klein ausfallen,- ein Drei Liter Beutel sollte dabei sein und stets (!) nachgefüllt werden. Wer weiß, wann es wieder Wasser gibt. Manchmal sind ab dem Spätsommer ganze Täler oder Hangseiten komplett ausgetrocknet. Wassermangel ist die kritischste Problematik unterwegs, die Leistung bricht komplett ein und man verblödet geradezu. Die beste Lösung, die ich kenne, sind Wasserreservoirs in Beutelform mit Trinkschlauch, für die es in den meisten aktuellen Rucksäcken bereits ein spezielles, rückennahes Fach gibt. Manchmal hilft auch der Schlauch um z.B. ablaufende Rinnsäle von Felsplatten oder aus Felsspalten einzufangen.

Ernährung

Wasserlösliche Instantnahrung darf bei solchen Routen gern einmal zur gewohnten Frischnahrung zu Hause kontrastieren. Sie wird mit heißem Wasser übergossen und nach der Einwirkzeit aus der Verpackung heraus gegessen – wofür ich mir einen verlängerten Titanlöffel geleistet habe. Die Nahrung von Travellunch wird von Simpert und Reiter  in Augsburg hergestellt und ist von der Zusammensetzung aus Kohlenhydraten, Eiweiß, Mineralien und Vitaminen für Sportler optimiert. Vor allem natürlich wiederum im Packmaß und Gewicht. Ein gefriergetrocknetes Eintopfgericht hat pro 100g immerhin 440 kcal. – Und ich erinnere mich sehr gern an den Geschmack von Linseneintopf mit Tiefblick auf Peruanische Gletscher!

ExpedfoodSehr gute Erfahrungen haben wir auch mit  energiereichen Trinkkonzentraten wie Peronin gemacht. In Wasser gelöst kann es auch mal ein komplettes Frühstück ersetzen. Überall dort, wo es zu früh, zu hoch, zu kalt oder zu kompliziert ist, eine Mahlzeit zuzubereiten oder wo es schnell gehen soll und gut verdaulicher Zucker schnell verfügbar sein muss. Morgens um zwei in den Anden in eine Plastikflasche geschüttelt, und den Rest als Wegzehrung in den Rucksack griffbereit verpackt. Die Energie aus dem Stoff ist wirklich sehr bald bemerkbar.

Vanillepudding mit HimbeerenBesonders gern habe ich den Nachtisch Vanillepudding mit Himbeeren verspeist, wenn ich ganz durstig und ziemlich platt war. Wenn ich zwischendurch Quellwasser fand, trank ich es direkt aus der Verpackung, direkt auf dem Trail. Danach konnte man die Energie wieder in Strecke umwandeln, eine sehr elementare Erfahrung!

Am Ende folgt wieder meine persönlche Packliste.

Cheers, und schöne Zeiten, Andreas!

Zweiter Tag auf Walliser Trails. Screenshot aus meinem kleinen Film, ‘Tour du Combin’